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Nähe und Distanz in der Betreuung

Die tägliche Betreuung von Asylsuchenden stellt eine grosse Herausforderung dar. Auch wenn es nicht immer leicht ist – als Betreuer muss man Erlebtes verarbeiten und trotzdem eine professionelle Betreuung gewährleisten. Deshalb ist es wichtig, Bewältigungsstrategien für belastende Situationen zu entwickeln. Mit dieser Thematik beschäftigt sich der Kurs „Nähe und Distanz in der Betreuung“, der Anfang Oktober in den Kursräumlichkeiten der ORS in der Röschibachstrasse in Zürich stattfand. Alle Teilnehmenden arbeiteten in der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen: in Empfangs- und Verfahrenszentren (EVZs), auf kantonaler Ebene in Durchgangszentren oder auf Gemeindeebene.

Die beiden Referenten, Carmelita Boari und Ron Halbright, kamen vom National Coalition Building Institute (NCBI). Beide sind Experten auf ihrem Gebiet und verfügen über langjährige Erfahrung im Asylbereich. Mit ihrer grossen Fachkenntnis und mit viel Verständnis für die Probleme und Herausforderungen im Asylbetreuungsalltag schufen sie innerhalb kürzester Zeit eine vertrauensvolle und offene Atmosphäre. In der positiven Grundstimmung des Kurses konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf das Thema einlassen, von Problemen aus ihrem Arbeitsalltag erzählen und auch eigene Schwächen und Fehler eingestehen.

Der Kurs lud Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst ein, in einem Selbsttest ihre individuellen Grenzen zu erkunden. Wie gehen sie in aufreibenden Situationen mit den eigenen Gefühlen um? Neigen sie dazu, die eigenen Grenzen zu überschreiten?

Dazu wurden im Plenum auch Fälle besprochen, Erlebnisse aus dem Arbeitsalltag ausgetauscht und das eigene Verhalten reflektiert. Die Teilnehmer lernten, weshalb der Schutz ihrer psychischen Aus-geglichenheit und Gesundheit für die eigene Arbeit wichtig ist, und wie das Wissen um die persönlichen Grenzen dabei hilft, mit Belastungen umzugehen und trotzdem abschalten zu können. Dafür ist es nötig, sich auch abgrenzen zu können und „Nein“ zu sagen, falls die eigenen Grenzen überschritten werden. Entsprechend vermittelten die Referenten den Mut zum „Nein“-sagen und die Werkzeuge, um ein abgrenzendes „Nein“ gut zu begründen und überzeugend zu vermitteln. In Rollenspielen wurde der Umgang mit schwierigen Situationen geübt und Voraussetzungen für den Praxistransfer geschaffen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schätzten an diesem Kurs neben den Referenten vor allem den Austausch in der dafür gut geeigneten Gruppengrösse und das Kennenlernen von Strategien für einen richtigen Umgang mit belastenden Arbeitssituationen. Sie konnten Selbstbewusstsein aufbauen, um solche Situationen objektiv anzugehen.

Nähe und Distanz ist ein Kurs, der für den Arbeitsalltag in der Asylbetreuung sehr nützlich sein kann –  wenn man bereit ist, sich auf das Ausloten der eigenen Grenzen im Umgang mit Asylsuchenden einzulassen.
 

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