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Seitenwechsel: Düdinger Asylsuchende besuchen SRF-Studios

11. Juli 2017

„Willkommen bei SRF, Durchgangszentrum Düdingen“ prangt an den Bildschirmen in der Eingangshalle. „Schön, dass Sie heute unsere Gäste sind.“ Ende Mai lebte SRF Reporter Simon Hutmacher eine Woche im Durchgangszentrum Düdingen (FR). Täglich berichtete er in der Sendung Schweiz Aktuell und auf seinem Blog vom Alltag in der Zivilschutzanlage, dem Zusammenleben und seinen Gesprächen mit den Asylsuchenden.

Jetzt waren diese zum Gegenbesuch eingeladen: Im Zürcher SRF Studio warfen sie einen Blick hinter die Kulissen und besuchten Simon Hutmacher und seine Kollegin Simone Herrmann in ihrem Arbeitsumfeld. Die meisten der Besucher lebten bereits im Mai in der Zivilschutzanlage. Man kennt sich noch und begrüsst sich freudig, bevor die Führung beginnt.

Das Sportstudio ist bekannt

Die Führung beginnt mit dem Sportstudio. Hier werden unter anderem das Sportpanorama und Sportaktuell aufgezeichnet. Kennen die Asylsuchenden das Studio? „Ja, von der Championsleague“, antwortet Myakel. Einige aus der Gruppe nehmen Platz auf dem Sofa, auf dem sonst die TV-Experten sitzen. Mindestens so beeindruckt sind sie von der Decke: Dort hängen unzählige Lampen. Wo man stehen muss, um von diesen ins richtige Licht gesetzt zu werden zeigen kleine Markierungen auf dem Boden.

Nächste Station: die Maske. Zunächst der Warteraum, dann die Maske selbst. Die Mitarbeiterin des Kundendienstes, die die Führung macht, erklärt, dass beim Fernsehen alle geschminkt werden. Frauen und Männer. Überraschte und ungläubige Gesichter. Die Erklärung, dass die Haut sonst im Scheinwerferlicht glänzen würde, leuchtet jedoch allen ein.

Weiter geht es in ein grosses Studio mit mehreren Sendungsnischen. Auch hier gibt es allerlei aus dem Fernsehen bekannte Kulissen zu sehen: Von Schawinski über Kassensturz und Club bis zu Puls – das Gesundheitsmagazin. Den Asylsuchenden wird anschaulich das jeweilige Sendeformat erklärt. Die Führung ist informativ und unterhaltsam zugleich. Alle hören aufmerksam zu. Den meisten ist nicht bekannt, dass es Billag-Gebühren gibt. Auf die Erklärung fragt einer von ihnen nach: „Und wer nicht zahlen möchte, muss trotzdem bezahlen?“

Die Führung bringt auch Unerwartetes

Weiter geht es in einen überraschenden Bereich. Wer würde schon eine Werkstatt oder Schreinerei beim SRF vermuten? Hier werden sogar Lehrlinge ausgebildet. Ebenfalls interessant: die Requisiten. Am Eingang warten Pappaufsteller in Originalgrösse. Einige der Asylsuchenden machen Erinnerungsfotos mit Shakiri, Roger Federer oder SRF-Moderatorin Katharina Locher. In den Regalen lagern Fernsehgeräte, Geschirr, Lampen, medizinische Modelle und Kuriositäten aus den letzten 60 Jahren. Auch sie werden fleissig fotografiert.

Spannend finden die jungen Männer auch Studio 22, den Green Screen. Aufgereiht vor einer grünen Wand erscheinen sie auf dem Bildschirm vor dem Sendedesign von Sport Live. Dann feuern sie Nelly von der Begleitgruppe Düdingen an, eine Moderation vom Teleprompter abzulesen.

Ein Blick aus dem Zuschauerraum in die „Kommandozentrale“, die Regie der Tagesschau, rundet die Führung ab. Die Livesendung geht gerade zu Ende. Kaum hat die Moderatorin das Studio verlassen, kann sich die Gruppe dieses noch genauer ansehen.

Persönliches Highlight? Der Kameraroboter!

Die Besichtigung klingt in der Cafeteria des SRF aus. Die Besucher wurden zum Mittagessen eingeladen. Bei Spaghetti, belegten Brötchen oder Reis mit Curry tauschen sie ihre Eindrücke aus. Was hat ihnen am besten gefallen? „Der Kameraroboter“, sagt Nawid. „Alles war gut“ findet Myakel. „Die Studios und das Essen.“ 

Vor dem Eingang machen sie noch ein Gruppenfoto – mit Journalist Simon Hutmacher. „Das Wiedersehen hat sich ein bisschen angefühlt wie eine Zeitreise“, sagt er. „Es war wie vor rund zwei Monaten, als ich für eine Woche im Durchgangszentrum gelebt habe. Wir haben uns umarmt, miteinander gelacht und es war keine Distanz spürbar.“ Den Asylsuchenden geht es ähnlich, sie verabschieden sich herzlich. Jetzt freuen sie sich auf einen kleinen Ausflug zum Schloss Lenzburg, bevor sie zurück nach Düdingen fahren.

 



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