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25 Jahre – Die ORS feiert Jubiläum

31. August 2017

Es ist das Jahr 1992: Viele Menschen fliehen vor dem Krieg auf dem Balkan in die Schweiz. Innerhalb kürzester Zeit müssen die neuankommenden Frauen, Kinder und Männer versorgt werden. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf, regelmässige Mahlzeiten und einen Ansprechpartner in dieser schwierigen Lage. Eine völlig neue Situation für das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, heute Staatssekretariat für Migration). Ende des Jahres 1992 erhielt die ORS vom Bund das Mandat für die Betreuung in den Empfangsstellen Basel, Kreuzlingen, Chiasso und Carouge.

Ein Vierteljahrhundert später feiert die ORS Jubiläum. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einem Bereich, der starken Schwankungen und unterschiedlichsten Einflüssen unterliegt. Die ORS Service AG hat es geschafft, sich von den improvisierten Anfängen zu einem etablierten und zuverlässigen Partner im Migrationsbereich zu entwickeln.

Die 90er Jahre – Kriege auf dem Balkan lösen Flüchtlingswellen aus

Zurück zu den 90er Jahren. Wie war das damals? Luca Baranzini arbeitet seit 24 Jahren bei der ORS. Damit ist er der dienstälteste Mitarbeiter. Seine Personalnummer ist die 10! Seit 2000 führt Luca das Empfangs- und Verfahrenszentrum in Chiasso als Zentrumsleiter. Zu jener Zeit arbeitete er dort als Betreuer. „Damals ist mir klar geworden, dass Krieg eben nicht nur eine Nachricht im Fernsehen ist, sondern jeden betreffen kann. Mit den Flüchtlingen kam auch die Erkenntnis,  was es bedeutet, alles zu verlieren. Erstmals kamen so viele Kinder, Frauen und Männer in die Schweiz auf der Suche nach Asyl und auf der Flucht vor dem Tod in ihrem Heimatland.“

Eine besondere  Herausforderung in seiner ORS-Karriere war die kurzfristige Eröffnung eines Zentrums für 2000 Balkanflüchtlinge im Tessin 1999. Er traf den damaligen CEO der ORS, Eric Jaun, an einer Tankstelle in der Nähe von Bellinzona. „Luca, du wirst der Leiter eines neuen Zentrums“, eröffnete dieser ihm. „Wann werden wir es eröffnen?“ „In zwei Wochen.“ Und tatsächlich öffnete das Zentrum innerhalb von nur zwei Wochen seine Tore. „Das war eine besondere Erfahrung, eine der spannendsten Zeiten für mich“, sagt Luca Baranzini.

Herausforderungen bei Zentrumseröffnungen

Die kurzfristige Eröffnung einer Asylunterkunft ist keine Seltenheit. Der Asylbereich ist von verschiedenen Faktoren wie Politik und Weltgeschehen abhängig und kann sich sehr schnell verändern. Folglich müssen Unterkünfte manchmal sehr rasch eröffnet werden. Die ORS hat sich im Laufe der Jahre ein grosses Wissen erarbeitet, um in solchen Situationen schnell und flexibel reagieren zu können.

Grosse langjährige Erfahrung mit dem Eröffnen und Schliessen von Zentren hat auch Adrian Arbogast. Er ist seit fünf Jahren als operativer Leiter für das Bundesmandat des Staatsekretariats für Migration verantwortlich. Als die ORS vor 16 Jahren das Zentrum Ostermundingen im Kanton Bern übernahm, jobbte er dort als Nachtbetreuer. Anschliessend hatte er verschiedene Positionen inne, zunächst in der Administration, dann in der Betreuung und als Leiter von verschiedenen Zentren im Kanton Zürich. Was fand er im Laufe seiner Tätigkeit besonders interessant?

„Jede Zeit war für sich extrem spannend“, sagt er. „Es waren immer gute und interessante Phasen mit der Chance, an den neuen Aufgaben zu wachsen.“ Das gelte für die aktuelle Arbeit auf dem Bundesmandat, aber auch für seine erste Abgabe eines Zentrums damals als Ostermundingen wieder geschlossen wurde, für die immer wieder herausfordernde Einrichtung diverser Zentren und besonders auch für die Startphase der ORS in Österreich.

Gründung der ORS Service GmbH in Österreich

Anfang 2012 übernimmt die ORS nach einer öffentlichen Ausschreibung das Mandat des Bundesministerium für Inneres (BM.I) in Österreich. Dafür wird die ORS Service GmbH in Österreich gegründet. Auch hier hilft Adrian Arbogast beim Aufbau und leitet über ein halbes Jahr die Betreuungsstelle in Traiskirchen. Der Aufbau einer Gesellschaft in einem anderen Land, unter gänzlich neuen Rahmenbedingungen und diesmal auch unter hohem zeitlichem Druck war eine herausfordernde und aufregende Phase für alle Beteiligten.

Wie hat sich im Laufe der Jahre die Asylbetreuung verändert?

„Der ganze Asylbereich hat sich professionalisiert“, meint Adrian Arbogast. Das betreffe sowohl höhere Anforderungen an die Betreuung, an das Führungspersonal als auch an das Controlling. Und natürlich seien die Erwartungen seitens der Auftraggeber gestiegen. Auch Luca Baranzini sagt: „Nicht nur die Welt, sondern auch der Job hat sich verändert“. Die Qualität der Betreuung sei heute viel professioneller als noch vor 20 Jahren. Eines ist jedoch gleich geblieben: Die Hoffnung der Flüchtlinge auf ein besseres Leben.

Nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen Erwartungen hat sich die ORS stetig weiterentwickelt, aus Erfahrungen gelernt, neue Qualitätsstandards gesetzt. Im Jahr 2005 wird sie erstmals nach den Normen ISO 9001:2000 und BSV-IV 200 zertifiziert. Damit wird die Qualität der Dienstleistungen der ORS von einer neutralen Stelle bezeugt.

Ein weiterer Schritt auf diesem Weg ist die Einführung eines eigenen Weiterbildungsprogrammes. Im Jahr 2008 können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erstmals interne, selbstentwickelte Weiterbildungskurse zu verschiedenen Betreuungsthemen besuchen. Aufgebaut hat diesen Bereich Carolin Wälz-Fabregon. Sie arbeitete während ihres Studiums der interkulturellen Kommunikation & Management nebenher im EVZ Kreuzlingen. Dadurch kannte sie die Bedürfnisse der Betreuerinnen und Betreuer und konnte in der neuen Position durch die Weiterbildung der Mitarbeitenden die Qualität der Betreuung weiter fördern. Was sie dabei motiviert hat? „Die Asylbetreuung ist eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir mit unserem Programm Rechnung tragen. Jeder Kurs hat das Ziel, unsere Kolleginnen und Kollegen für ihre Aufgaben fit zu machen und die Qualität in der Betreuung zu steigern.“ Seit 2010 ist das Weiterbildungsprogramm mit dem Bildungslabel eduQua zertifiziert und steht auch externen Teilnehmenden offen. Seit 2014 investiert die ORS gezielt in die Entwicklung ihrer Führungskräfte. Bis Ende 2016 besuchten mehr als 6000 Teilnehmende rund 500 von der ORS angebotene Kurse in der Schweiz, Österreich und Deutschland.

Die ORS hat viele Gesichter

Nicht nur gezielt getroffene Massnahmen wie die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems oder  dem Ausbau der Weiterbildung haben dazu beigetragen, dass die ORS sich in den zurückliegenden 25 Jahren einen guten Ruf bei den Auftraggebern erarbeitet hat und Qualitätsstandards in der Betreuung setzen konnte. Das ist auch das Verdienst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Diese könnten unterschiedlicher nicht sein bezüglich ihrer Biografien, beruflichen Hintergründe und persönlichen Erfahrungen. Diese Vielseitigkeit wird bei der Zusammensetzung der Teams berücksichtigt. Sie trägt zur Qualität der Betreuung bei. Verschiedene Sprachen, die von den Mitarbeitenden gesprochen werden, erleichtern die Betreuung von Asylsuchenden unterschiedlicher Herkunft.

Einige Mitarbeitende haben selbst einen Migrationshintergrund. Manche sind als Flüchtlinge in die Schweiz gekommen. Einer von ihnen ist Adan Bule. 2008 kam der gebürtige Somalier als Flüchtling in die Schweiz. Im Durchgangszentrum Kollbrunn (ZH) wurde er von Mitarbeitenden der ORS betreut. Heute arbeitet er selbst als Betreuer in der Notunterkunft Rohr (ZH). Adan weiss aus eigener Erfahrung, was die Asylsuchenden erlebt haben und kann nachempfinden, wie sie sich in ihrer momentanen Situation fühlen. Aus diesem Grund hat er sich auch dafür entschieden, als Betreuer zu arbeiten: „Ich wollte immer Menschen helfen, die in der gleichen Lage sind, wie ich es einmal war“, sagt er. Seine eigene Vergangenheit begleitet ihn in seinem täglichen Arbeitsleben und hilft ihm, die Sorgen der betreuten Personen zu verstehen. Was ihm an seiner Arbeit besonders Freude macht? „Die Arbeit mit verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Es ist immer abwechslungsreich und jeder Tag ist anders und herausfordernd.“ Er würde heutigen Asylsuchenden mit auf den Weg geben, „sich um Integration zu bemühen, die Landesprache zu lernen und sich an die Schweizer Gesetze zu halten.“ Adan ist nicht der einzige ORS-Betreuer, der selbst als Flüchtling in die Schweiz kam. Auch in anderen Zentren arbeiten Frauen und Männer mit diesem Hintergrund.

Was also macht die ORS aus? Und warum arbeiten viele Mitarbeitende seit Jahren hier?

Für die ORS zu arbeiten sei für ihn immer aufregend gewesen, sagt Luca Baranzini. „Es kehrt nie Routine oder Langeweile ein. Ich kann immer mein Bestes geben und habe ein gutes Verhältnis mit meinem Vorgesetzten. Ausserdem weiss ich, dass die ORS versucht, das Beste für uns Mitarbeitende zu tun.“

Adrian Arbogast sieht das ähnlich: „Kein Jahr war bis jetzt gleich und langweilig.“ Seit seinem ersten Tag bei der ORS habe er sich gefordert und gefördert gefühlt und es habe sich immer wieder eine neue Herausforderung ergeben.

Trotz – oder gerade wegen – der vielen Unwägbarkeiten und Erfahrungshintergründe haben die Betreuerinnen und Betreuer bei der ORS einiges, was sie verbindet: ihr hohes soziales Engagement, ihre Fachkompetenz und Belastbarkeit auch in Stresssituationen wie auch ihre Professionalität, etwa im Umgang mit Nähe und Distanz. Und, last but not least: ORS-ler denken in Lösungen.

Infobox:

1992 wurde die ORS erstmals im Auftrag des Kantons Basel-Landschaft in der Asylunterkunft Gitterli sowie für das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, heute SEM) tätig. Heute betreut sie in der Schweiz mit rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern täglich um die 6.000 Asylsuchende und Flüchtlinge auf allen Stufen des Asylbereichs (Bund, Kanton, Gemeinde). Zu den Leistungen der ORS zählen: Betreuung, Versorgung & Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen, Integrations-, Bildungs- und Beschäftigungsprogramme für Personen mit Migrationshintergrund, Rückkehrberatung, Grenzsanitarische Massnahmen, Weiterbildungskurse für Beschäftigte im Migrationsbereich. Seit 2012 ist die ORS mit einer Ländergesellschaft in Österreich tätig, seit 2014 auch in Deutschland.

 

 

 

 

 

 



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