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15 erfolgreiche Monate „Wagen wir Gastfreundschaft“ in Fribourg

27. Februar 2017

„Wenn Asylsuchende eine Zeit lang bei Schweizern leben, eröffnet das ihnen neue Integrationsperspektiven“ sagt Claude Gumy, der Operative Leiter der ORS für den Kanton Fribourg. Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin Anastasia Ossipova vertrat er die ORS Ende Januar auf einer Pressekonferenz des Projekts „Wagen wir Gastfreundschaft“.

15 Monate nach dem Start zogen die Beteiligten gemeinsam eine positive Bilanz: Mehr als 100 Asylsuchende konnten bisher im Kanton Fribourg bei Privatpersonen untergebracht werden. Die Hälfte von ihnen sind Familien mit Kindern. Sie leben durchschnittlich sieben Monate bei und mit ihren Gastgebern. Im Januar lebten im Kanton Fribourg insgesamt 31 Asylsuchende in 22 Familien. 20 von ihnen brachte die Initiative „Wagen wir Gastfreundschaft“ mit 16 Familien zusammen.

Die ORS vermittelt und begleitet das Zusammenleben

Der Verein „Wagen wir Gastfreundschaft“ ist aus einer Bürgerinitiative hervorgegangen. Er bringt im Kanton Freiburg Asylsuchende und  Gastfamilien zusammen. Ins Leben gerufen wurde die Aktion im September 2015 von engagierten Bürgern um den pensionierten Arzt Bernard Huwiler, dem Alt-Staatsrat Pascal Corminboeuf und den Domprobst Claude Ducarroz sowie von weiteren Freiwilligen. Das Projekt wird von der Direktion für Gesundheit und Soziales unterstützt.

Die ORS ist vom Kanton Freiburg mit der Aufnahme und Betreuung von Asylsuchenden beauftragt. In dieser Funktion ist sie ein Bindeglied zwischen den Asylsuchenden und den Gastfamilien. Anastasia Ossipova übernimmt als Projektverantwortliche bei der ORS das Erstgespräch. Sie besucht die Familien, die daran interessiert sind, Asylsuchende zu beherbergen. „Jede Vermittlung ist anders, weil auch jede Familie anders ist“, sagt sie. Sie prüft, welche Asylsuchenden zur jeweiligen Familie passen könnten. Dann lernen sich beide Parteien mit Hilfe eines Übersetzers kennen. Anschliessend haben sie ein paar Tage Zeit, sich zu entscheiden. Möchten beide Seiten das Zusammenwohnen wagen, schliesst die ORS eine Vereinbarung ab und begleitet den Asylsuchenden zur Familie.

„Die Wohnsituation, die Kommunikation der Beteiligten, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, sich an neue Situationen anzupassen, sind wichtig damit das Zusammenleben gelingt“, erklärt Anastasia Ossipova. Zunächst nach zwei Wochen und danach monatlich besucht sie die Asylsuchenden und spricht mit ihnen über ihre Situation und das Wohnen mit der Gastfamilie. Zwischen den Terminen ist sie jederzeit telefonisch erreichbar. Auch den Gastfamilien steht sie als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Positive Erfahrung für alle Beteiligten

„Die bisherigen Erfahrungen sind positiv“ bestätigt Claude Gumy. Die meisten Asylsuchenden blieben für die vorgesehene Zeit bei den Gastgebern. „Es kommt immer wieder vor, dass das Zusammenleben auf Zeit verlängert wird“, ergänzt er. „Eine Familie hat sogar einen Jungen für unbefristete Zeit aufgenommen.“ Die Teilnahme am Projekt „Wagen wir Gastfreundschaft“ erleichtert den teilnehmenden Asylsuchenden die Integration und das „Ankommen“ in der Schweiz. Sie erleben Schweizer Kultur und Alltag hautnah mit. Dadurch verbessern sie leichter ihre Sprachkentnisse. Die gastgebenden Familien gewinnen aus erster Hand einen Einblick in fremde Kulturen und können bereichernde interkulturelle Erfahrungen sammeln. Oft entstehen Kontakte, die auch über die Wohngemeinschaft auf Zeit hinaus bestehen bleiben.

Weitere Gastgeber gesucht

Bernard Huwiler von „Wagen wir Gastfreundschaft“ wies an der Pressekonferenz darauf hin, dass „Wagen wir Gastfreundschaft“ nach wie vor Personen sucht, die Asylsuchende für mindestens drei Monate bei sich zu Hause aufnehmen möchten. Interessierte können sich auf der Webseite osonslaccueil.ch über das Projekt informieren und sich bei Bernard Huwiler melden. „Die meisten Interessenten möchten eine Familie oder eine Frau aufnehmen“, erklärt Claude Gumy. „Es gibt junge Männer, die gerne mit einer Familie leben würden, die wir aber bisher nicht vermitteln konnten.“



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