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Lehrerin mit Leib und Seele

12. Mai 2016

Eine Lehrkraft zu finden, die im Durchgangszentrum auf dem abgeschiedenen Balmberg (SO) unterrichtet, war eine Herausforderung. Dass die Kinder vorübergehend keinen Unterricht haben sollten, das war für Silvia Herrmann aber undenkbar. So fuhr die bereits pensionierte Lehrerin ehrenamtlich zweimal pro Woche auf den Berg, um die Kinder zu unterrichten, bis die passende Lehrkraft gefunden werden konnte.

Der Balmberg ist ein Schweizer Pass auf dem Gebirgszug Jura im Kanton Solothurn, der Welschenrohr und Günsberg miteinander verbindet – zumindest im Sommer.

Im Winter ist die Verbindung nicht möglich. Dann ist nur noch die Südseite bis zur Passhöhe Balmberg befahrbar - mit dem eigenen Auto oder dem Postauto.

Seit Dezember 2015 sind im ehemaligen Kurhaus und Hotel auf dem Balmberg asylsuchende Familien mit Kindern jeden Alters untergebracht. Auf den ersten Blick ist die Lage wunderschön und erweckt Urlaubsgefühle – ist doch der Jura ein beliebtes Naherholungsgebiet der Solothurner, in welchem im Winter Skisport und im Sommer Wandern und Klettern angesagt ist.

Für die Bewohner und die Menschen, die in dieser schönen Umgebung leben und arbeiten, ist der Urlaub allerdings weit entfernt – und die Strukturen, die man zum täglichen Leben benötigt, ebenfalls. So wurde von Anfang an beschlossen, die schulpflichtigen Kinder direkt auf dem Balmberg zu beschulen. Die Infrastruktur wurde umgehend aufgegleist und ein Schulzimmer eingerichtet. Es blieb nur noch die Suche nach einer geeigneten Lehrkraft. Doch wer würde es wagen, im Winter den langen und nicht ungefährlichen Arbeitsweg in Kauf zu nehmen?

Noch bevor das Inserat für eine Lehrkraft aufgeschaltet wurde, meldete sich eine bereits pensionierte, jedoch in jeder Hinsicht jung gebliebene, Lehrerin und bot ihre Hilfe an. Ohne Zögern und fest entschlossen wollte sie umgehend die Kinder auf dem Berg unterrichten, bis eine feste und geeignete Lehrkraft gefunden würde.

Dass die Kinder auf dem Berg auch nur einen Tag ohne Schule verbringen sollten, war für sie nämlich undenkbar. So fährt sie seit Ende Januar unermüdlich, freiwillig und ehrenamtlich zweimal pro Woche auf den Berg und unterrichtet die Kinder. 15 Kinder im Alter von 6-16 Jahren – alle in einer Klasse – verlangen höchste Professionalität, unzählige Vorbereitungsstunden und vor allem sehr viel Geduld und gute Nerven.

Die Suche nach einer Lehrkraft an diesem schönen, aber exponierten Arbeitsplatz gestaltete sich als sehr schwierig. Kaum jemand ausser Silvia Herrmann konnte sich vorstellen, den Arbeitsweg regelmässig auf sich zu nehmen. Auf diese Weise konnten die Kinder von der engagierten Lehrerin ganze vier Monate lernen. Per 1. Juni wird nun ein Lehrer die Kinder viermal pro Woche unterrichten. Auch er hat seinen Beruf zur Passion gemacht und wir freuen uns, Herrn Aschwanden als Lehrer auf dem Balmberg begrüssen zu dürfen.

Das ORS-Team Balmberg bedankt sich bei Silvia Herrmann für ihren grossartigen, humanitären Einsatz zum Wohle der Kinder!

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