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Kulturelle Annäherungsversuche

15. März 2016

Entgegen der Besorgnisse, die einige Dorfbewohner in Bösingen angemeldet hatten, läuft mit der provisorischen Asylunterkunft alles rund. Am Tag der Offenen Tür konnte vergangenen Samstag jeder einen Einblick ins Leben der 50 Asylsuchenden haben, mit ihnen plaudern und ein Stück syrischen Kuchen essen. - Ein Bericht aus den Freiburger Nachrichten.

KERSTIN FASEL – Sfouf ist ein Griesskuchen, der durch das Kurkuma, mit dem der Teig gewürzt wird, knallgelb ist. Gefüllt wird er mit Pistazien, Kirschen, Rosinen oder Pflaumen. Der fluffige Kuchen stammt aus Syrien; so wie ein Teil der 50 Asylsuchenden, die in der provisorischen Asylunterkunft in Bösingen untergebracht wurden. Die jungen Männer haben für die Besucher des Tages der Offenen Tür am Samstag extra Leckereien aus ihren Heimatländern gebacken. Schliesslich soll dieser Tag auch dazu dienen, den Dorfbewohnern einen Einblick ins Leben und in den Alltag der Geflüchteten zu geben: um Vorurteile und Ängste auszuräumen. Um die vielen Kulturen, die da aufeinander treffen, einander irgendwie näher zu bringen.

Deutsch lernen
Coskun Karadag von der ORS, einer professionellen Asylbetreuungs-AG, hat an diesem Tag die Hände voll zu tun: Er ist der Leiter des Bösinger Asylzentrums, beantwortet den Besuchern Fragen, macht Führungen durch die Räume der Zivilschutzanlage, in welcher die Afghanen, Jordanier, Ghanaer, Syrer und andere Asylsuchende seit vergangenem Oktober untergebracht sind. Er schaut sich die Präsentation an, die die Lehrerin Isabella Matthiesen mit ihrem Schüler Bonyad vorbereitet hat. Der junge Mann aus Afghanistan habe in diesen wenigen Monaten extrem gut Deutsch gelernt, heisst es. Als er über seine Heimat spricht, die von den Taliban eingenommen wurde, fällt er ins Englische. Zu nervös ist er beim Anblick all dieser Leute, die seiner Geschichte lauschen. „Sie haben die Schule geschlossen, sie haben alles geschlossen. Wir hatten keine Selbstbestimmung mehr. Wer nicht alles genau so machte, wie vorgeschrieben, den töteten sie einfach“, erzählt er.

Für Sicherheit sorgen
Beim Informationsabend im Oktober meldeten einige Eltern ihre Besorgnisse ein. „Wir können aber wirklich von keiner einzigen schlechten Erfahrung erzählen“, so Karadag. Er nehme die Sorgen und Ängste der Dorfbewohner sehr ernst. So wird etwa nach Schulschluss oder vor Schulbeginn jemand vor dem Asylzentrum platziert, der „Wache hält“, der für ein Gefühl  der Sicherheit sorgen soll. Aber auch die Besucher wissen nur Positives zu berichten, etwa Claudia Baeriswyl und Maria Barresi. Maria etwa hatte schon früher Kontakt mit den Asylsuchenden: Ihre Tochter hat den jungen Männern beim Backen geholfen. Ausserdem hätten die Asylsuchenden ihrem Vater, der sich nicht mehr so gut bewegen könne, bei den Gartenarbeiten geholfen. Claudia hat damals bei den Kosovo-Flüchtlingen kräftig mitgeholfen. Sie habe viel positive Erinnerungen und wollte vorbeischauen, um zu sehen, ob dies auch dieses Mal so sei.

Langeweile verhindern
Die Räume in der Zivilschutzanlage sind eng. Es kommt kein Tageslicht rein, es gibt vier Duschen für 50 Männer und Massenbettlager. Fragt man allerdings die Asylsuchenden, sind sie sich alle einig, dass sie dankbar sind dafür, hier zu sein. Dass es besser sei als die Verhältnisse dort, wo sie herkommen. „Man muss ihnen halt erklären, warum dies so ist. Und dass sie auch nicht ewig in dieser Unterbringung sind“, erklärt Coskun Karadag. Des Weiteren haben die katholische und die reformierte Kirche Bösingen gemeinsam eine Begleitgruppe gebildet, die Aktivitäten mit den Asylsuchenden unternimmt. Eine der Freiwilligen ist Liseth Käser: Eine offenherzige Frau mit einem Strahlen auf dem Gesicht, die mit den jungen Männern Spiele oder Spaziergänge macht, mit ihnen Weihnachtsbäume dekoriert. „Ich mache das wirklich gerne, wir lachen soviel zusammen.“  

 

Zahlen und Fakten
Im Bösinger Durchgangszentrum durchlaufen die Asylsuchenden die sogenannte „Erstaufnahmephase“. Sie dauert zwischen drei und sechs Monaten. Die 50 Männer, die aus 13 Nationen stammen, werden vom ORS-Betreuungsteam auf das selbständige Leben in der Gemeinde vorbereitet.  Dazu werden ihnen in der ersten Phase unter anderem die deutsche Sprache sowie kulturelle und gesellschaftliche Schweizer Konventionen beigebracht. Der Alltag der Asylsuchenden besteht aus drei Teilen: Die Reinigung ihrer eigenen Unterkunft, Sprachunterricht sowie Beschäftigungsprogramme in Form von etwa Sportstunden, Baden, Feste feiern, Spaziergängen oder Ausflügen.

Quelle: Freiburger Nachrichten vom 14.03.2016



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