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Gewaltbetroffene Frauen im Migrationskontext

14. Juli 2016

Der Weiterbildungskurs „Gewaltbetroffene Frauen im Migrationskontext“ behandelt die speziellen Betreuungsbedürfnisse von Frauen, die in ihrer Heimat oder auf der Flucht Gewalt erfahren haben, und schult Betreuerinnen und Betreuer im richtigen Umgang mit diesen Frauen. Der zweitägige Kurs ist seit mehreren Jahren fester Bestandteil des ORS-Kursprogramms. Die Referentinnen der Durchführung vom 10. und 11. Mai sind Expertinnen von verschiedenen Fachstellen und Beratungsorganisationen. Mit den beiden Expertinnen für Gender Based Violence von TERRE DES FEMMES Schweiz haben wir über den Kurs gesprochen:

Über welche Inhalte haben Sie referiert?

Terre des Femmes: Wir haben gemeinsam die „Geschlechterbrille“ aufgesetzt, zeigten so die spezifischen Hindernisse von Frauenflüchtlingen im Asylverfahren auf und haben gemeinsam deren Schwierigkeiten in der heutigen Unterbringungssituationen diskutiert. Dabei wollten wir insbesondere auch zeigen, wie gewaltbetroffene asylsuchende Frauen im Alltag unterstützt werden können.
 

Was konnten die KursteilnehmerInnen für ihre tägliche Arbeit mitnehmen?

Terre des Femmes: In den aus unserer Sicht teilweise prekären Unterbringungssituationen sowie innerhalb des Asylgesetzes, das den Rahmen vorgibt, gilt es ganz besonders, ein Auge auf sogenannte verletzliche Personen wie Frauen und Kinder zu richten und ihnen entsprechende Unterstützung anzubieten. Das Wichtige ist hin- und nicht wegzuschauen, und sich bei Bedarf Rat zu holen und die Frauen mit spezialisierten Stellen vernetzen.

Wie können BetreuerInnen betroffene Frauen am besten unterstützen?

Terre des Femmes: Viele TeilnehmerInnen waren sich nicht bewusst, wo und an welche Stellen gewaltbetroffene Frauen weitergeleitet werden können. Oder auch nicht, dass sich BetreuerInnen in einem Verdachtsfall selbst Unterstützung suchen sollten und die Situation einer spezialisierten Fachpersonen schildern, um mit ihr die weitere Schritte zu diskutieren.

Auch innerhalb der aus Sicht von Terre des Femmes oftmals engen Rahmenbedingungen gibt es immer Möglichkeiten für zumindest kleine Veränderungen. So kann zum Beispiel ein Aufenthaltsraum nur für Frauen eingerichtet werden. Oder man organisiert einen Workshop unter Frauen zu einem spezifischen Thema wie häusliche Gewalt, Frauenspezifische Fluchtgründe im Asylverfahren oder auch weibliche Genitalverstümmelung.

Warum referieren Sie bei der ORS?

Terre des Femmes:  Wir referieren in diesem Kurs, weil es unumgänglich ist, dass im Asylbereich geschlechtersensible Unterbringungs- und Unterstützungskonzepte Eingang finden. Gerade in einem Moment, wo mehr als die Hälfte der nach Europa flüchtenden Personen Frauen und Kinder sind und zudem viele von ihnen im Herkunftsland, auf der Flucht oder auch in den europäischen Zufluchtsländern Gewalt erleben. Es wird noch viel zu wenig gemacht diesbezüglich, ein Kurs dieser Art sollte unseres Erachtens zur Grundausbildung aller MitarbeiterInnen im Asylbereich gehören. Freiwillige Schulungen für MitarbeiterInnen von Asylorganistionen wie der ORS sind deshalb ein erster wichtiger Schritt.

Wie erreicht Terre des Femmes betroffene Frauen? Welche Hilfsangebote bieten Sie an?

Terre des Femmes: Wir haben eine Beraterin, an die sich betroffene Frauen, deren Umfeld und auch Fachpersonen wenden können. Weiter bieten wir zusammen mit Schlüsselpersonen und interkulturellen Vermittlerinnen Workshops zu Gleichstellung und häuslicher Gewalt an. Dabei geht es um Fragen wie: Was ist eigentlich häusliche Gewalt, welche Rechte habe ich und welche Handlungsoptionen und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es? Denn damit Frauen ihre Rechte überhaupt einfordern können, müssen ihnen zuerst die entsprechenden Informationen zugänglich gemacht werden.

Sämtliche Informationen zu unserem Weiterbildungsprogramm finden Sie hier.



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