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Asylsuchende von Losone im Teatro Dimitri

24. März 2016

Verscio ist nur ein Steinwurf von Losone entfernt. Dort befindet sich auch die Scuola Teatro Dimitri, vor vierzig Jahren vom gleichnamigen Clown gegründet. Clown Dimitri muss man wohl nicht näher vorstellen: Der Zirkusartist, Pantomime und Theaterschauspieler ist im In- und Ausland gleichermassen bekannt. Wie schon einige Male zuvor hatte am letzten Wochenende eine Gruppe Asylsuchender die Gelegenheit, an einer unterhaltsamen kulturellen Aktivität ausserhalb des Asylzentrums von Losone teilzunehmen.

Die Asylsuchenden mischten sich dieses Mal unters Theaterpublikum. Studierende im dritten Jahr des Bachelorstudiums hatten das Stück «Falling» von Dino Buzzati einstudiert, und die Umsetzung der Worte Buzzatis gelang ihnen vorzüglich.

Man war aufgeregt, die Gäste des Asylzentrums schätzten sich glücklich, dass sie an einem so exklusiven Anlass teilnehmen konnten. Ihre Blicke, ihre Fragen liessen eine gewisse Neugier auf das Stück vermuten. Mit dem Eintreffen der Zuschauer stieg auch die Spannung. Einige statteten dem kleinen Theatermuseum einen Besuch ab, andere wiederum wechselten ein kurzes Wort mit den übrigen Gästen.

Die Türen öffneten sich, die kleine Gruppe nahm die ihnen zugewiesenen Plätze ein, und man hatte von Anfang an das Gefühl, an einem besonderen Ereignis teilzuhaben. Die Lichter gingen aus, die Vorstellung begann. Was soll man sagen ... es war ein Erfolg! Bereits nach den ersten Worten des Stücks waren die Asylsuchenden begeistert. Die Aufführung ist eine Mischung aus Bewegungstheater, Akrobatik, witzigen Wortwechseln und vor allem starken Emotionen, die problemlos sprachliche Grenzen überwinden. Ausserdem befanden wir uns ja im Teatro Dimitri, bei dem Mimik und Bewegung fester Bestandteil sind.

Die Vorstellung ging nach etwas über einer Stunde zu Ende. Die Gruppe Asylsuchender applaudierte begeistert, das Stück hatte ihnen sehr gut gefallen. Draussen vor dem Theater wollte einer der Asylsuchenden sofort wissen: Wird man eine zweite Vorstellung besuchen können?
Leider nicht. Die Enttäuschung ist kaum zu verbergen, macht jedoch sofort der allgemeinen Fröhlichkeit der Gruppe Platz.

Aktivitäten wie diese sind für diejenigen Asylsuchenden, die das Glück haben, teilnehmen zu dürfen, sehr wichtig. Man lacht sogar über einige andere, die ihren Platz aus Misstrauen jemand anderem überlassen haben – was die Teilnehmer überhaupt nicht nachvollziehen können. Das grosse Interesse während der ganzen Vorstellung zeigt deutlich, dass es eigentlich einfach ist, Asylsuchende anzuregen, wenn man bestimmte Möglichkeiten dafür hat.

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