standard

Wenn eine Mauer Kulturen näher bringt

21. Oktober 2015

Als Neuankömmling in einem fremden Land ist es oft nicht einfach sich zu orientieren. Wie sieht es hier aus? Welche Tiere gibt es in der Natur? Auf welche Werte legen die Menschen wert? Kommt man als Asylsuchender in ein neues Land, in dem man vorher noch nie war, stellen sich einem viele Fragen. Schwierig ist aber auch das Warten, denn oft dauert der Asylentscheid mehrere Monate. Was macht man in dieser Zeit?

Um Asylsuchenden, die auf ihren Entscheid warten, die Zeit nicht nur zu verkürzen, sondern ihnen auch einen Einblick in die Arbeitswelt und die Umgebung, in der sie neu leben, zu geben, haben sie je nach Kanton die Möglichkeit bei einem Beschäftigungsprojekt mitzuwirken. So seit zwei Jahren auch im Kanton Bern und seit vier Jahren im Kanton Solothurn.

Die ORS hat im Auftrag der beiden Kantone Beschäftigungsprojekte aufgebaut, die sich in den letzten Jahren sehr bewährt haben. Vor allem für das Amt für Raumplanung, das Amt für Umwelt sowie für die kommunalen Forst- und Werkhöfe der Standortgemeinden werden Projekte umgesetzt. Dabei gilt aber immer das Prinzip, dass die Tätigkeiten den ersten Arbeitsmarkt nicht konkurrenzieren dürfen.
An stürmischen Tagen oder im Winter wird im Atelier gearbeitet, vorbereitet und gelernt. Oder man macht Ausflüge zum Beispiel in ein Museum.
„Wir haben viele Projekte im Wald, der Natur und Landwirtschaft. Auch für Schutzreservate oder die Schweizerische Berghilfe sind wir viel tätig“, sagt Thomas Jost, Leiter Beschäftigungsprogramme in Bern und Solothurn. Und Michel Howald, Mitarbeiter Beschäftigungsprogramme präzisiert: “Dazu gehört zum Beispiel auch Wanderwege ausbessern. Nämlich dann, wenn diese nicht mehr in gutem Zustand sind, richten wir diese wieder her oder bessern sie aus, setzen neue Stufen oder schneiden Büsche zurück, damit die Wege wieder frei sind. Dabei gehört das gemeinsame Kochen oder picknicken in einer entspannten und motivierenden Atmosphäre am Mittag genauso dazu.“

In besonderer Erinnerung bleibt Thomas Jost und Michel Howald und vermutlich vielen anderen Helferinnen und Helfern der Aufbau einer Trockenmauer im regionalen Naturpark Diemtigtal. „Über anderthalb Jahre arbeiteten wir zusammen mit vielen Asylsuchenden an einer 155 Meter langen Mauer. Das war nicht nur für uns und alle die geholfen hatten ein tolles Erlebnis, sondern auch für die Anwohner, die oft in dem Park sind.“, erzählt Jost. Die Mauer wurde diesen Frühsommer fertiggestellt und auch der Berner Oberländer (Onlineartikel hier) berichtete darüber.

Die Asylsuchenden schätzen die Beschäftigungsprojekte sehr und nutzen sie rege. Männer wie auch Frauen. Je nach Kanton erhalten sie für ihre gemeinnützige Tätigkeit ein kleines Taschengeld von fünf Franken pro Halbtag. Durch Einhalten von Vereinbarungen, Pünktlichkeit oder das Erlernen der Verbindung von Arbeit, Lohn und Unabhängigkeit erfahren sie eine erste Annäherung an die Schweizer Arbeitswelt.
Als Motivation dient vor allem etwas Neues zu lernen und die willkommene Abwechslung, gerade wenn die Unterbringung eher ländlich ist und es in der Umgebung nicht viel zu tun gibt. „Die Arbeit in den Projekten gibt den Migrantinnen und Migranten eine Tagesstruktur sowie die Möglichkeit, die Umgebung und Deutsch als Sprache aktiv zu erleben“ erklärt Thomas Jost. „Unser Ziel ist es, dass sie am Abend ein gutes Gefühl und Befriedigung empfinden, von dem was sie gemacht und gelernt haben.“

Nicht nur für die Asylsuchenden sind die Beschäftigungsprojekte eine grosse Bereicherung. Auch die Auftraggeber sind zufrieden. Die vielen Anfragen, die bei Thomas Jost eingehen und teilweise schon abgelehnt werden müssen, weil die Kapazitäten fehlen, sprechen für sich.

Und die Anwohner freut es ebenso. Denn die Arbeit und das Ergebnis sind sichtbar. Die Akzeptanz wird dadurch gefördert und das gegenseitige Verständnis gestärkt. Von den gemeinnützigen Arbeiten im Bereich Anti-Littering, Wanderwege oder Aufbau von Trockenmauern profitieren denn auch alle.

DSC00023-1.jpg

IMG_0550.jpg



ORS Service AG News