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Warum lagern Gemeinden Aufgaben im Asylbereich aus?

21. September 2015

„Mit der ORS hat man eine Stelle, die kompetent die Aufgaben ausführt“. Manche Gemeinden lagern Aufgaben im Asylbereich aus. So auch die Gemeinde Meilen im Kanton Zürich. Seit 2003 betreut die ORS dort die Asylsuchenden im laufenden Verfahren (Status N) und von vorläufig Aufgenommenen (Status F). Heinz Kyburz, Leiter der Sozialabteilung, beantwortet in diesem Interview Fragen dazu, wie diese Zusammenarbeit aussieht und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringt.

Wie viele Asylsuchende wohnen derzeit in Meilen?

Die Zahl der Asylsuchenden in Meilen schwankt immer etwas. Es sind in der Regel um die 60 Personen, die sich im Asylverfahren befinden. Die Mehrheit hat den Status F (vorläufig Aufgenommene) und eine Minderheit Status N. Das hat sich in den letzten 2 bis 3 Jahren stark verändert. Wir haben früher vorwiegend Asylsuchende mit Status N betreut, jetzt haben wir immer mehr vorläufig Aufgenommene. Diese Personen werden in unserem Auftrag von der ORS betreut. Ausserdem leben in Meilen noch 40 anerkannte Flüchtlinge, die wir selbst betreuen.

Wie sind die von der ORS betreuten Asylsuchenden in Meilen untergebracht?

Die Asylsuchenden sind dezentral in rund einem Dutzend verschiedener Liegenschaften untergebracht. Diese befinden sich teils im Eigentum der Gemeinde, teils sind sie  angemietet. Die Form der Unterbringung ist unterschiedlich: Es gibt Männer-WGs, Frauen-WGs und Wohnungen, die von Familien oder auch von Einzelpersonen bewohnt werden.

Welche Aufgaben übernimmt die ORS für die Gemeinde Meilen?

Die ORS übernimmt wie erwähnt die Betreuung der Asylsuchenden mit Status N und F. Ausserdem haben wir in Meilen seit gut einem Jahr ein Beschäftigungsprogramm, dass die ORS durchführt:  das Reinigen von Anlagen, das sogenannte „Fötzeln“. Ein Team aus fünf Personen ist gemeinsam mit einem Betreuer unterwegs. Dieses Programm wird durchweg sehr geschätzt.

Warum hat die Gemeinde die Betreuung ausgelagert?

Früher hat ein Asylbetreuer der Gemeinde alle Asylsuchenden betreut. Als dieser 2003 pensioniert wurde, hatten wir die Stelle ausgeschrieben. Doch obwohl wir viele Bewerbungen bekamen, konnten wir keine geeignete Besetzung finden. Deshalb entschieden wir uns dafür, die Betreuung auszulagern. Wir führten Gespräche mit der ORS, haben die Vor- und Nachteile abgewogen und uns für die ORS entschieden. Bisher haben wir damit durchweg positive Erfahrungen gemacht.

Hat sich für die Asylsuchenden etwas verändert?

Ich denke nichts Wesentliches. Die Neuerung und Herausforderung für uns lag darin zu schauen, wie das funktioniert, wenn der Betreuer der ORS anfangs wöchentlich und jetzt 14-tägig vorbeikommt. Ursprünglich ging der Asylbetreuer täglich durch alle Liegenschaften und schaute vor Ort, dass alles korrekt vor sich her geht. Die Asylsuchenden konnten ihre Anliegen kurzfristig vorbringen, wurden aber auch stärker beaufsichtigt. Heute können sie zwischen den Besuchen für ihre Anliegen ins Büro der ORS gehen. Das erfordert mehr Selbstständigkeit und ist zur Förderung der Integration gewünscht.

(Anmerkung der Redaktion: Wenn nötig, besucht der Sozialarbeiter Asylsuchende auch häufiger bzw. mehrmals pro Woche (z. B. bei Krisen). Dazu kommt, dass auch der Liegenschaftsbetreuer regelmässig in den Unterkünften ist.)

Welche Vorteile hat die Auslagerung für die Gemeinde?       

Ein wesentlicher Vorteil für die Gemeinde ist die Abgrenzung. Früher standen immer wieder mal Asylsuchende mit ihrem Anliegen spontan bei uns im Büro. Das fängt die ORS jetzt zu 95 Prozent ab. Dadurch sparen wir Zeit. Auch die Stellvertretung ist geregelt. Wenn früher unser Asylbetreuer in den Ferien war, lag vieles bei mir, das war sehr zeitintensiv. Heute gewährleistet die ORS die Stellvertretung. Die ORS ist per Pikettdienst auch erreichbar, wenn Notfallszenarien eintreffen. Und zwar nicht nur zu Bürozeiten wie wir auf der Gemeinde. Zum Beispiel können Nachbarn direkt bei der ORS anrufen, wenn sie sich beispielsweise wegen Lärm beschweren wollen.

Gibt es auch Nachteile?

Ich habe die letzten 12 Jahre als sehr positiv erlebt. Die  Zusammenarbeit ist effizient – ich sehe keine Nachteile. Für mich und für die Behörde hat die Zusammenarbeit mit dem gemeindeeigenen Asylbetreuer früher mehr Zeit beansprucht. Wenn wir nicht so gute ORS-Betreuer gehabt hätten, würde ich das vielleicht anders beurteilen. Aber wir haben die geleistete Arbeit immer sehr geschätzt.

Wie verhält es sich mit den Kosten: Ist es für eine Gemeinde günstiger, Flüchtlinge selbst zu betreuen, oder die Betreuung auszulagern?

Die Kosten halten sich in etwa die Waage. Wenn man die Vollkosten berücksichtigt ist die ausgelagerte Betreuung für die Gemeinde nicht teurer als ein eigener Betreuer. Generell wird für uns als Gemeinde das Asylwesen immer etwas teurer. Das hat aber nichts mit der ORS zu tun. Sondern damit, dass wir mehr vorläufig Aufgenommene haben und deren Betreuung teurer für uns ist.

Wir sind froh darüber, dass vorläufig Aufgenommene weiterhin auf das von uns als Gemeinde zu erfüllende Kontingent angerechnet werden – im Gegensatz zu den Flüchtlingen. Wir haben ja in Meilen mit 40 Flüchtlingen aussergewöhnlich viele, vor allem Eritreer und Leute vom Horn von Afrika

Ich hoffe sehr, dass die Entwicklung im Kanton Zürich in die Richtung geht, und man zukünftig Flüchtlinge, vorläufig aufgenommene Flüchtlinge und vorläufig aufgenommenen Personen alle gleichermassen dem Kontingent zurechnet – und zwar so lange, wie sie von der Fürsorge anhängig sind.

In diesem Sinn sind die aktuellen Herausforderungen für unsere Gemeinde: Das Asylwesen kostet uns mehr, weil wir mehr vorläufig Aufgenommene haben und es wird auch ein wenig eng mit den Plätzen, weil wir Fälle haben, die nicht auf das Kontingent angerechnet werden können. Wir betreuen in Meilen insgesamt über 100 Personen, aber es werden nur 60 angerechnet. So gesehen haben wir mit 60 Personen im laufenden Asylverfahren bei einem Kontingent von 66 eine gute Quote.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der ORS ab?

Wenn der Betreuer in Meilen ist, schaut er auch bei mir vorbei. Wir setzen uns eine halbe bis ganze Stunde zusammen, um wichtige oder komplexe Fälle miteinander anzuschauen und Entscheide oder Vorentscheide zu fällen. Zweimal im Jahr finden Gespräche mit Behördenvertretern statt. Bei diesen Treffen besprechen wir Fälle, Unterkünfte, Entwicklungen im Asylwesen und tauschen uns über dieses und jenes aus. Das ist auch eine gute Praxis, um die Behörden stärker einzubinden. Weiter haben wir Kontakt per E-Mail, wenn es um die Beantwortung von Fragen geht oder zum Beispiel auch um Leistungsentscheide für vorläufig Aufgenommene. Die Zusammenarbeit ist gut und effizient.

Wie sind Sie mit der Zusammenarbeit mit der ORS zufrieden?

Wir schätzen die Zusammenarbeit sehr. Sowohl der aktuelle als der vorherige Betreuer der ORS machen ihre Arbeit gut – jeder in seinem eigenen Stil. Die ORS bietet eine professionelle Dienstleistung, die Zusammenarbeit ist effizient und das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

Die ORS hat auch den Vorteil, dass sie auf verschiedenen Ebenen tätig ist und nicht nur auf Gemeindeebene. Dadurch hat sie bei Anliegen auch ein gewisses Gewicht gegenüber dem Kanton.

Mit der ORS hat man eine Stelle, die kompetent die Aufgaben ausführt. Das grosse Wissen der Organisation schlägt sich auch in der Arbeit der Mitarbeiter nieder. Ein einzelner bei der Gemeinde angestellter Asylbetreuer hat vermutlich nicht ein so grosses Know-How. Vielleicht tauscht er sich mit anderen Betreuern aus, aber er ist nicht in einem Team vernetzt. Diese Situation macht es schwierig für ihn, eine professionelle Leistung zu erbringen. Da ist die ORS im Vorteil.

Was würden Sie anderen Gemeinden raten, die über eine Auslagerung des Asylbereiches nachdenken?

Es kommt ein bisschen darauf an, wie gross eine Gemeinde ist. Eine grosse Gemeinde mit einem eingespielten Betreuungsteam und sichergestellter Stellvertretung wird vermutlich keinen Anlass für eine Auslagerung sehen. Aber für eine Gemeinde unserer Grösse oder kleiner lohnt es sich nicht, ein ganzes Team auf die Beine zu stellen. In diesem Fall würde ich eine Auslagerung ernsthaft prüfen. Denn es gibt schon einige Vorteile. In diesem Sinn kann ich die Auslagerung durchaus empfehlen und würde das auch wieder so machen. Wir sind sehr zufrieden mit der ORS und haben bisher ausschliesslich gute Betreuer gehabt.



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