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Mini Decki – Decken für asylsuchende Kinder

30. Juni 2015

„Jedes Kind auf der Flucht braucht eine eigene Decke, die wärmt, schützt und ein zuhause gibt auf der langen, unsicheren Reise.“ So lautet der Leitspruch des Projekts „Mini Decki“, das die Aargauerin Simone Maurer ins Leben gerufen hat. Eine Idee, die auch asylsuchenden Kindern in von der ORS betreuten Betreuungseinrichtungen zugutekommt. Wir finden, „Mini Decki" ein tolles Projekt und möchten es gerne vorstellen.

Die Idee hinter „Mini Decki“

Jedes asylsuchende Kind in der Schweiz erhält eine Decke, die im Rahmen des Projekts „Mini Decki“ genäht wurde. Die Kinder bekommen ihre eigene Decke, sobald sie mit ihren Familien aus den Empfangs- und Verfahrenszentren in eine kantonale Unterkunft kommen – meistens in ein Durchgangszentrum. Dadurch möchte Simone Maurer sicherstellen, dass  jedes Kind erreicht wird. Die Kantone und Institutionen, die mitmachen möchten, übernehmen die Übergabe der Decken an die Kinder. Mittlerweile werden die Decken bereits in der ganzen Deutschschweiz und im Wallis an asylsuchende Kinder verteilt. Simone Maurer hofft, mit dem Projekt auch bald schon die Kinder in der Westschweiz erreichen zu können.

Grosser Erfolg innerhalb kurzer Zeit

Im Dezember 2014 fing Simone Maurer an, die ersten Decken zu nähen. Sie schätzt, dass mittlerweile insgesamt um die 1200 Decken genäht wurden. Um die 1000 Decken wurden bisher verteilt. Viele Decken sind noch bei den Leuten, die sie genäht haben zuhause und langsam auf dem Weg zu ihren Empfängern.

Mittlerweile nimmt die Organisation des Projekts viel Zeit in Anspruch. „Es ist wie ein 50 Prozent Job“, sagt Simone Maurer. „Ich komme im Moment nicht mehr zum Nähen.“ Organisation und Koordination erfordern ihre Aufmerksamkeit. Sie beantwortet E-Mails, koordiniert Materialbestellungen, organisiert Transporte oder stellt Kontakte zwischen Leuten her, die helfen möchten, etwa mit einem gemeinsamen Nähnachmittag. Die grösste Herausforderung für sie ist es, alles unter einen Hut zu bringen und sich gut zu organisieren – auch neben ihrem „normalen“ Alltag. Simone Maurer meint dazu: „Mir wäre es auch ohne das Projekt nicht langweilig, aber ich nehme mir die Zeit.“

Viele positive Rückmeldungen

Zu „Mini Decki“ und ihrem Engagement erhält Simone Maurer viele positive Rückmeldungen. Auch die Medien sind aufmerksam geworden und es sind bereits mehrere Berichte erschienen. Es melden sich Freiwillige, die gerne helfen möchten. Viele Leute, die Decken nähen, interessieren sich grundsätzlich für das Flüchtlingsthema und sind froh darüber, aktiv werden und Kindern helfen zu können – sei es durch das Nähen von Decken oder auch durch Hilfe beim Transport.

Diejenigen, die Decken an die Kinder verteilen, melden zurück, dass sich sowohl die Kinder als auch die Eltern über die Decke freuen. Simone Maurer sagt: „Die Eltern merken manchmal noch zuerst, was diese Decke bedeutet, während die Kinder gar nicht so richtig merken, wie ihnen geschieht. Was es genau bedeutet, sind sie sich nicht bewusst. Wenn sie wählen könnten, hätten sie wahrscheinlich lieber Lego.“


3 Fragen an Simone Maurer:

Wie sind Sie auf die Idee für „Mini Decki“ gekommen?

„Da kamen zwei Punkte zusammen: Ich habe immer schon Decken genäht und gefunden, dass eine Decke etwas Schönes ist. Der zweite Punkt waren die vielen Berichte über Flüchtlinge, die in die Schweiz kommen und vor allem auch die Kinder, die dabei sind. Das hat mich sehr bewegt.

Plötzlich hatte ich so etwas wie eine Eingebung. Ich habe einfach gewusst: Ich nähe jetzt Decken für diese Kinder. Ich wusste nicht, wo ich diese hinbringe, sondern habe einfach gedacht: Jetzt mache ich das. Also habe ich einfach angefangen. Erst im Nachhinein hat es sich ergeben, dass daraus ein Projekt wurde.“

Warum gerade eine Decke?

„Eine Decke zu haben ist etwas extrem Wichtiges. Sie gibt Geborgenheit und Wärme, egal wo man ist. Mit einer Decke fühlt man sich daheim und zufrieden. Eine Decke ist so eine Art Plüschtier mit Funktion. Gleichzeitig ist sie auch ein Besitz, gerade wenn man sonst nicht viel hat. Deshalb heisst das Projekt auch „Mini Decki“. Eine Decke deckt ganz viele Aspekte ab.“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Projekts?

„Ich würde mir wünschen, dass das Projekt „Mini Decki“ zu einer festen Institution wird und es selbstverständlich wird, dass jedes asylsuchende Kind eine Decke bekommt.

Gerade läuft „Mini Decki“ auch in Deutschland an. Es wäre schön, wenn das Projekt auch dort Anklang findet und gross werden kann. Denn ich stehe nach vor hinter dem Projekt und finde es super. Ich wünsche mir, dass es seinen festen Platz findet.“


Wie übergibt die ORS die Decken an die Kinder?

Die ORS verteilt „Mini Decken“ an asylsuchende Kinder, die in Durchgangszentren oder Wohnheimen in den Kantonen Bern, Fribourg, Solothurn, Zürich und Basel-Landschaft leben. Die Decke wird nicht beim Eintritt ins Zentrum mit den anderen Materialen wie Bettzeug oder Hygieneartikeln abgegeben, sondern 1 bis 2 Tage später. In einer feierlichen kleinen Übergabe bekommen die Kinder ihre eigene Decke. Dadurch wird deutlich gemacht, dass die Decke ein persönliches Geschenk ist, das nicht zurückgegeben werden muss. Die Kinder erhalten zu ihrer Decke den offiziellen „Mini Decki“-Flyer. Er erklärt in sieben Sprachen die Idee hinter „Mini Decki“, die Bedeutung des Namens und wer die Decken hergestellt hat.

Die ORS  konnte Ende Mai erstmals  200 Decken bei Simone Maurer abholen. Auch die Schwesterorganisation ABS bekam Decken für 155 asylsuchende Kinder. Wenn alle Decken an Kinder verteilt sind, werden beide wieder neue bei Simone Maurer bestellen.

Stefan Moll-Thissen, Direktor der ORS, freut sich über die tolle Idee: „Wir danken Simone Maurer für und ihr Engagement und freuen uns, dass auch die von uns betreuten asylsuchenden Kinder mit handgenähten Decken beschenkt werden können.“

Mehr Informationen zu „Mini Decki“ finden Sie im Blog von Simone Maurer oder auf der Facebookseite.



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