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Informationsabend in Selzach

23. Januar 2015

In Selzach konnten sich im Rahmen eines Gesprächabends Interessierte über die Unterbringung und Betreuung von Asylsuchenden im Kanton Solothurn informieren. Hier der Bericht darüber aus dem Grencher Tagblatt:

Kanton hat schon grössere Anstürme von Flüchtlingen bewältigt

An einem Gesprächsabend im Selzacher Kirchgemeindehaus Schänzli wurde über Asylzentren und Durchgangsheime informiert. Im Kanton Solothurn sind derzeit alle vier Duchgangszentren voll belegt.

Gegenwärtig ist innerhalb der Bevölkerung eine wachsende Unsicherheit spürbar, befürchtet wird von einem Teil der Schweizerinnen und Schweizer Überbevölkerung, Entfremdung und ansteigende Kriminalität, dies, so wird argumentiert, unter anderem aufgrund der zunehmenden Asylsuchenden in der Schweiz.

In einem Gesprächsabend in Selzach informierten David Kummer, Amt für soziale Sicherheit, und Peter Wenger von der Firma ORS Service AG über die aktuelle Asylsituation im Kanton Solothurn und wie Unterbringung und Betreuung umgesetzt sind. Dabei wurde deutlich, dass die Arbeit mit Asylsuchenden auch bereichernd sein kann.

In den 90ern viel höhere Zahl

In den Neunzigerjahren sei nach Kummer die Zahl der Flüchtlinge in der Schweiz durch die Kriege im ehemaligen Jugoslawien und im Kosovo um einiges höher gewesen als heute. «Man hat also bereits grössere Anstürme bewältigt», so Kummer. Das politische Klima hätte sich aber verändert.

Das Asylgesuch erfolge schriftlich oder mündlich bei Empfangszentren oder Grenzkontrolle, wobei man sich, soweit wie möglich, ausweisen müsse. Darauf folge ein bundesrechtliches Verfahren. Weder Kantone noch Gemeinden können mitentscheiden. «Der Entscheid des Bundesamts für Migration wird daran festgemacht, ob Asylgründe vorliegen oder nicht», erklärt Kummer. 

Die Asylsuchenden werden aus den Bundesempfangszentren auf die Kantone verteilt. Ausschlaggebend ist der Prozentanteil der im jeweiligen Kanton lebenden Bevölkerung. So wurden dem Kanton Solothurn im letzten Jahr rund 800 Asylsuchende zugeteilt. Der ORS ist für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig.

Volle Zentren

Im Kanton Solothurn sind alle vier Durchgangszentren voll belegt. Zusammen verfügen sie über 344 Plätze. Dazu kämen noch rund fünfzig Plätze in Wohnungen und Zivilschutzanlagen, die eigentlich als Reserve gedacht waren, aber inzwischen durchgängig belegt sind. Kummer: «Es ist noch nicht so lange her, da mussten Asylsuchende in den Gängen schlafen.» Durch die Zivilschutzanlage in Biberist und diejenige in Olten hat man nun aber weitere Reserven geschaffen, doch es soll bei Reserven bleiben, denn das Ziel sei nicht, die Menschen unterirdisch unterzubringen.

Die Asylsuchenden würden gemäss Wenger durch Gespräche auf die Lebensweise in der Schweiz vorbereitet. Zugenommen hätte die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA), die allein mit vierzehn oder fünfzehn Jahren die Schweiz erreichen. In Selzach sind es momentan dreiundzwanzig.

Alltag im Asylzentrum

Nach der Einführung kam man auf das Durchgangszentrum in Selzach zu sprechen, das ein Familienzentrum ist und vierundachtzig Personen beherbergt. Wichtig sei der Frieden im und um das Haus. Esther Rusterholz, Leiterin des Durchgangszentrums, zeigte Bilder mit den Räumlichkeiten. Der Alltag: Die Post und die Ämtli würden verteilt, es wird geputzt, an Kursen teilgenommen oder anderen Terminen nachgegangen. Es ginge sehr bewegt zu und her. Dazu kämen Beschäftigungsprogramme wie das Littering oder das Reparieren von Wald- und Wanderwegen.

Kochen die Asylsuchenden selber, erhalten sie zehn Franken pro Tag. «Es ist erstaunlich, was sie für gute Gerichte aus so wenig Geld zustande bringen», findet Rusterholz. Die Asylsuchenden seien grosszügig, denn sie lüden dann sogar noch zum Essen ein. Durch den Anbieter Lebara könne man zudem günstig und auf andere Lebara-Netze gratis ins Ausland telefonieren. Dies und auch Skype würde von den Asylsuchenden benutzt, um beispielsweise mit ihren Angehörigen in ihrer Heimat zu sprechen.

Jeder kann Flüchtling werden

Zum Anlass im Kirchgemeindehaus Schänzli kamen rund zwanzig Interessierte. Am Ende der Vorträge gab es noch ausreichend Zeit, um Fragen zu stellen und zu diskutieren. Johannes Maier, der Gemeindeleiter der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Selzach-Haag-Altreu, der den Anlass moderierte, merkte an: «Die Flüchtlinge sollen in der Fremde Schutz bekommen, man muss bedenken, dass jeder zum Flüchtling werden kann.»

Es seien noch nicht hundert Jahre her, dass auch die Zukunft vieler Schweizerinnen und Schweizer ungewiss gewesen sei. «Am Ort des Terrors zu bleiben, hiesse zu sterben. In ärmeren Ländern werden vermehrt Asylsuchende aufgenommen, während es in Europa abnimmt», so Maier.

Quelle: Grenchner Tagblatt, 23.01.2015



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