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Die Freiburger Nachrichten besuchen die Unterkunft im Beauregard-Quartier

10. November 2015

Bei einem Besuch der Freiburger Nachrichten (FN) zeigen die Asylbewohner ihre Wohnungen im Beauregard-Quartier. Sie zeigen, dass sie ihr Daheim schätzen.

42 Asyl suchende Männer und Frauen leben in den Asylwohnungen im Beauregard-Quartier in Freiburg. Erst seit August steht das Mehrfamilienhaus dafür zur Verfügung. Bei einem Besuch haben die Asylbewerber den FN gezeigt, dass sie ihr Daheim schätzen.

In einem Mehrfamilienhaus im Beauregard - Quartier in der Stadt Freiburg leben seit diesem August Asylbewerber. Das Haus gehört der Pfarrei St. Peter, die es der ORS AG - der Firma, die sich im Kanton Freiburg um die Betreuung der Flüchtlinge kümmert - für drei Jahre vermietet (die FN berichteten). Das Haus, das an der Beauregard-Allee hinter Bäumen versteckt liegt, ist alt und einfach eingerichtet. Aber es ist geräumig, dreissig Asylbewerber und zwölf  Asylbewerberinnen leben hier. Sie wohnen in Einzel- oder Zweierzimmern, teilen sich vier Küchen, vier Badezimmer und Waschmaschinen.
«Im Vergleich zum Leben im Asylzentrum ist es für die Asylbewerber in den Wohnungen deutlich einfacher», sagt Massimiliano Scorrano, stellvertretender Direktor von ORS Freiburg. In den Wohnungen führen die Asylbewerber ein selbstständiges Leben, sind frei in ihrer Tagesgestaltung und kochen selber. Anders ist die Situation in den Zentren in Zivilschutzanlagen, dort wohnen die Asylbewerber in Massenlagern und die Intimsphäre fehlt oftmals.
Die Asylbewerber im Mehrfamilienhaus sind in der sogenannten «zweiten Phase» des Asylverfahrens. Nach der ersten Phase im Asylzentrum, die einige Monate dauert, sind sie in die Wohnungen gezogen. Da die Zentren zurzeit überfüllt sind, ist ihr Aufenthalt dort kürzer. «Es sind alles Menschen, die erst seit sehr kurzer Zeit im Land sind. Sie müssen die Sitten und Bräuche der Schweiz kennenlernen, dabei unterstützen wir sie», sagt Scorrano.

In dieser zweiten Phase bekommen die Asylbewerber monatlich 415 Franken Sozialhilfegeld. Damit kaufen sie sich Lebensmittel, Kleider, Hygieneartikel und was sie sonst zum Leben brauchen. Das Zimmer und notwendige ärztliche Leistungen stehen ihnen kostenlos zur Verfügung.

Zufriedene Asylbewerber

Im Beauregard zeigen die Bewohner zufrieden ihre Zimmer: «Come in, come in», sagt eine junge Frau und öffnet ihre Türe. An der Wand über dem Bett hängt ein Bild von Jesus und Maria, eine Kommode steht neben dem Bett. Ob es ihr gefalle? «Oh ja, very much.» Sie führt die Besucher weiter ins Badezimmer, das sich sieben Frauen teilen. «Das ist einfach; sieben Frauen, sieben Wochentage. Jeden Tag ist jemand anderes dran mit putzen», sagt sie und lacht.

Einen Stock weiter oben sitzen zwei junge Männer in der Küche am Tisch, ein dritter wäscht Pfannen und Geschirr ab. «Meist mache ich Reis. Es ist gut, wenn viele zusammen kochen, dann ist es günstiger», sagt er und seine Kollegen stimmen zu. Auch er zeigt sein Zimmer, das sauber und aufgeräumt ist. Er sei gerne da und sei froh, dass er das Zimmer abschliessen und sich darin zurückziehen könne, sagt der junge Mann.

Ausgebuchte Sprachkurse

Die Asylbewerber im Beauregard haben noch keine Antwort auf ihr Asylgesuch erhalten, sie dürfen deshalb nicht arbeiten. Viele möchten die Beschäftigungsprogramme der ORS AG besuchen und Sprachkurse machen. Angesichts der vielen Flüchtlinge, die in den letzten Monaten in der Schweiz angekommen sind, sind diese Angebote ausgebucht und die Wartelisten lang. «Wir werden nächstens mehr Kurse anbieten, dafür müssen wir aber zuerst Personal anstellen», sagt Scorrano. So bald wie möglich wolle die ORS neue Klassen eröffnen. Die Pfarrei St. Peter habe ebenfalls schon mehrmals Ausflüge mit einigen Asylbewerbern unternommen und wolle nun Sprachkurse anbieten.

Offene Nachbarn

Bruno Ledergerber ist Sozialarbeiter und hilft den Asylbewerbern bei rechtlichen, administrativen und anderen Fragen. «Sie fühlen sich sehr wohl hier und sie sind froh, dass sie so nahe am Stadtzentrum sind», sagt er. Die Nachbarn hätten sich sehr offen gezeigt und zu Beginn Kleider vorbeigebracht. «Es ist sehr ruhig und wir hatten noch keine grösseren Probleme», sagt Ledergerber. Kleinere Probleme seien etwa, wenn einige ihr Geschirr nicht abwaschen und damit die anderen stören, doch solche Dinge liessen sich leicht lösen. «Insgesamt sind wir sehr zufrieden. Es läuft gut und die Asylbewerber sind dankbar, hier sein zu können.»

Flucht: Ein junger Mann erzählt

Der 20-jährige Ibrahim Mohamed Rays aus Äthiopien wohnt in einer Asylwohnung im Beauregard. Er berichtet von seiner Flucht in die Schweiz:

«Ich wollte kein Soldat werden. Ich wollte studieren und dann für meine Familie sorgen. Weil ich mich weigerte, in die Armee zu gehen, steckten sie mich ins Gefängnis, folterten mich. Schliesslich gab ich nach. Als ich nach Monaten aus dem Gefängnis kam, lag ich wegen den Folterungen lange im Bett. Ich wurde während dieser Zeit von der Armee überwacht. Schliesslich sagte ich zu meiner Mami, dass ich fliehen möchte.»

«Ich weiss nicht, wie lange ich in der Sahara war. Ich hatte kein Geld und konnte den Mann, der mich durch die Wüste führen sollte, nicht bezahlen. Schliesslich kam eine Gruppe, die Geld hatte. Ich arbeitete auf der Reise als ihr Koch, so konnte ich mit ihnen nach Libyen gehen.»

«In Libyen gab es sehr viele Männer, die ihr Geld damit verdienen, Leute über das Meer zu bringen. Zusammen mit Freunden bezahlten wir die Überfahrt. Nachdem wir in Italien angekommen waren, brachte uns ein Mann zu einem Bahnhof und zeigte uns, in welchen Zug wir einsteigen sollten.»

«Wir hatten keine Ahnung, wohin der Zug fuhr. Wir hatten keine Tickets. Als uns ein Mann kontrollierte, sagte er, dass wir in Zürich aussteigen müssten. Ich fragte, in welchem Land das sei. Als er <Schweiz> sagte, war ich erleichtert. In der Schule habe ich gelernt, dass hier der Sitz der UNO ist. Ich wusste, dass es ein gutes Land ist.»

«In Freiburg gefällt es mir sehr gut. Ich habe ein Zimmer für mich, kann mein eigenes Essen kochen. Oft gehe ich an den Bahnhof und treffe mich mit Leuten. Mit Schweizern bin ich bisher aber noch kaum in Kontaktgekommen, ausser natürlich mit den Leuten, die hier arbeiten. Vor der Wohnung in Freiburg war ich im Asylzentrum Düdingen, dort schlief ich im Massenlager, das war nicht immer einfach. Ich hoffe auf eine gute Zukunft. Ich will wieder zur Schule. Gebildete Leute können die Welt verändern.»

Aufzeichnungen von Mireille Rotzetter

 

Asylbewerber: 225 Kinder in Freiburger Schulen

Unter den vielen Asylsuchenden, die in den vergangenen Monaten in der Schweiz angekommen sind, befinden sich auch viele Kinder. Die Sensler Grossräte Andr6 Schneuwly (Freie Wähler, Düdingen) und Bernadette Mäder-Brülhart (CSP, Schmitten) haben sich kürzlich in einer Anfrage an den Staatsrat gewandt und verschiedene Fragen zur Einschulung der Kinder gestellt. Gemäss Gesundheits- und Erziehungsdirektion läuft die Einschulung folgendermassen ab: In den Asylzentren, der ersten Phase des Asylverfahrens, erhalten die Kinder im Schulalter ersten Unterricht. Sobald sie mit ihren Familien in eine Asylwohnung ziehen, werden sie in der entsprechenden Gemeinde eingeschult. Zurzeit besuchen 225 Kinder von Asylsuchenden die obligatorische Schule in Freiburg, hauptsächlich im französischsprachigen Kantonsteil. Wie Marianne Meyer, Sprecherin der Erziehungsdirektion sagt, koordinieren die beiden Direktionen zusammen mit der ORS AG die Einschulung. Obwohl in den letzten Monaten überdurchschnittlich viele Kinder von Asylsuchenden nach Freiburg gekommen seien, habe es stets eine Lösung gegeben. Die Situation werde jedoch monatlich neu eingeschätzt. Steige die Zahl der Kinder weiter, so brauche es möglicherweise mehr Personal. Die Organisation werde erschwert, da nicht voraussehbar sei, wann wie viele Kinder ankommen.

Im Unterricht erhalten die Kinder dieselbe Unterstützung wie andere fremdsprachige Kinder. Da neu viele Kinder aus dem arabischen Raum kommen, stellen sich zusätzliche Probleme. Die Kinder sind es sich gewohnt, von rechts nach links zu lesen und zu schreiben und verwenden andere Schriftzeichen. Das Erlernen von Deutsch oder Französisch brauche darum mehr Zeit.

 

Bericht vom 7. November 2015, Freiburger Nachrichten



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