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"Alle Hände voll zu tun mit Flüchtlingen"

29. September 2015

Die Freiburger Nachrichten berichten über das Mandat der ORS im Kanton und sprechen mit Claude Gumy, dem operativen Leiter des Kanton Fribourg, über die grosse Herausforderung in der aktuellen Situation.

Die Zahl der Asylsuchenden nimmt stark zu; das bringt die Aufnahmestrukturen an ihre Grenzen. In Freiburg hat ORS Service vom Kanton ein Vollmandat zur Betreuung. Der operative Leiter erklärt, wie ORS die Herausforderung meistert.

Die grösste Herausforderung? «Plätze zu finden», sagt Claude Gumy, operativer Leiter Freiburg des Unternehmens ORS für die Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen. «Heute um Mittag überweist uns der Bund acht Asylsuchende. Wir haben das gestern erfahren und hatten keine Lösung dafür. Eine Wohnung war zwar frei, aber sie war nicht bereit. Gestern um 17 Uhr haben Mitarbeiter begonnen, die Wohnung vorzubereiten. So etwas kommt jeden Tag vor.» ORS hat in Freiburg ein Globalmandat in der Betreuung von Asylbewerbern. Claude Gumy leitet die Aktivitäten der Firma im Kanton Freiburg seit 2008, doch so gross wie jetzt war der Zustrom an Flüchtlingen noch kaum: Von Januar bis Mai wies der Bund dem Kanton Freiburg pro Monat rund 50 Asylsuchende zu, im August waren es 127 und bisher im September 135. «Unsere Mitarbeiter leisten derzeit Unglaubliches. Egal in welchem Bereich: Sie zeigen eine sehr hohe Flexibilität und bringen ein aussergewöhnliches Engagement.»

Jetzt die Privatinitiativen

Ein Beispiel für dieses Engagement ist Karolina Grossrieder, die im Zentrum für Beschäftigungsprogramme der ORS gerade sieben Eritreern, alles unbegleitete Jugendliche, Französischunterricht erteilt. Die Jungen und Mädchen lernen bei ihr seit einer Woche diese Fremdsprache und nehmen dabei gerade die Jahreszeiten Europas durch. Eigentlich sollten es 14 Schülerinnen und Schüler sein. Wo die restlichen sind? Grossrieder zuckt die Schultern: Sie muss es mit dem Durchgangszentrum abklären. Die Lehrerin begegnet den Herausforderungen mit Eigeninitiative. Sie hat beim Staatssekretariat für Migration das Projekt «Sprachkurse zur Schwangerschaft, Geburt und früher Kindheit» eingereicht, und soeben ist der Bescheid gekommen, dass dieses finanziell unterstützt wird.

Claude Gumy erzählt, wie auf seine Organisation immer wieder neue Aufgaben zukommen. Zuletzt ist die Aktion eines Bürgerkomitees und der Kirchen angelaufen, Flüchtlingen im Kanton private Unterkünfte anzubieten (die FN berichteten). «Es ist eine grosse neue Herausforderung», so Gumy. «Mehr als 150 Personen haben bereits angerufen, teils auf der Hotline, teils beim Kanton und teils bei uns.» Dazu hätten auch viele Freiburgerinnen und Freiburger Spenden und Freiwilligenarbeit angeboten. «Wir haben drei Mitarbeiter von uns bestimmt, die mit den Privatpersonen Kontakt aufnehmen, Termine abmachen, Gespräche führen, Einzelheiten wie das gemeinsame Essen oder Freizeitgestaltung der Flüchtlinge diskutieren und dann jene Asylsuchenden identifizieren, die an diesem Angebot interessiert sind. Unsere Rolle ist: zusammensitzen und zusammenbringen.»

Rekrutierung läuft

In den letzten Wochen wurde zudem bekannt, dass im Kanton mehrere neue Unterkünfte für Asylsuchende aufgehen: in Freiburg, Villars- sur-Gläne, Riaz, Bösingen, dazu die Weiterführung der Unterkunft in Düdingen. Auch sind auf politischer Ebene die Hindernisse zum Bezug einer Unterkunft für 100 Personen in Grolley ausgeräumt worden. Gumy geht davon aus, dass diese Unterkunft bis Ende Jahr in Betrieb genommen wird. «Wir sind mitten in einer Rekrutierungsphase», so der operative Leiter. «Wir brauchen neben Sozialarbeitern und Sozialbetreuern auch Personen für die Bereiche Hauswirtschaft, Gastronomie, Verwaltung, Tagesstrukturierung oder Unterricht; vor allem Menschen, die mit Menschen umgehen können.» Explizit nicht zu den Aufgaben der ORS gehöre der Bereich Sicherheit. Wo dies nötig sein sollte, beispielsweise bei Bundesasylzentren, kümmere sich der Bund darum.

Das neu rekrutierte Personal wird von ORS intern geschult: In Freiburg befindet sich das ORSAusbildungszentrum für die Westschweiz. Deutschsprachige ORS-Mitarbeiter besuchen Kurse in Zürich. «Wir haben einen Ausbildungskatalog mit internen und externen Kursen für die Betreuung im Bereich Asyl und Migration», so Gumy. Nach einer internen zweiwöchigen Ausbildung komme das «training an die job» dazu, bei dem bestehendes Personal die neuen Mitarbeiter unterstützt.

Weder Hotels noch Zelte

Ein Rückgang der Arbeitslast ist derzeit bei ORS Freiburg kaum ein Thema. Vielmehr ist es die tägliche Sorge, allen Asylsuchenden ein Kopf über dem Dach zu finden. Mit den rund 450 Wohnungen und den Kollektivunterkünften im Kanton ist die Lage derzeit unter Kontrolle. Zu Notlösungen musste das Unternehmen noch nicht greifen. Aber auch dafür gebe es Szenarien. In Hotels zum Beispiel. Wäre auch eine Lösung mit Zelten denkbar? «Dazu müsste sich die Zahl der Asylsuchenden quasi über das Wochenende verdoppeln», so Gumy. «Aber so ein Entscheid wäre nicht in unserer Kompetenz. Einen solchen Entscheid müsste der Kanton fällen und die Armee und den Zivilschutz einbeziehen.»

Quelle: Freiburger Nachrichten vom 26. September 2015

 

 



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