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Sauberes Dübendorf: Beschäftigung für Asylsuchende

29. Oktober 2014

Dienstags, Viertel nach Neun am Velogate in Stettbach/Dübendorf: Sechs Asylsuchende warten vor dem Eingang der Velostation „Velogate“ auf einen Mitarbeiter der ORS: Gowridhasan Vibulananthan schliesst ihnen die Tür auf und verteilt aus einem Materialschrank Leuchtwesten, Handschuhe, Greifzangen und Sammelwagen. Auf Deutsch und Englisch gibt er Anleitungen, teilt die Routen zu und beantwortet Fragen. Die Asylsuchenden unterschreiben auf der Anwesenheitsliste und beginnen in Zweier-Teams mit der Reinigung der ihnen zugeteilten Route. In den nächsten sechzig bis neunzig Minuten sammeln sie auf die Strasse weggeworfenen Abfall auf. Anschliessend kommen sie zurück zur Velostation, versorgen das Material und hinterlegen die Abfallsäcke. Diese werden später vom Werkhof abgeholt und entsorgt.

Die Asylsuchenden nehmen am von der ORS geführten Beschäftigungsprogramm Saubere Gemeinde teil. In Dübendorf wird es unter dem Titel Sauberes Dübendorf zweimal pro Woche durchgeführt.  Elf Asylsuchende treffen sich dienstags und freitags immer zur selben Uhrzeit am Treffpunkt in Dübendorf oder Stettbach. Für das Programm angemeldet haben sie sich beim Asylkoordinator der ORS. Durch ihre regelmässige Teilnahme kennen sie die Abläufe und die fünf verschiedenen Routen. So können sie selbstständig arbeiten oder neu am Programm teilnehmende Asylsuchende einarbeiten. Selbstverständlich werden sie dabei von einem Mitarbeiter der ORS – wo nötig – angeleitet. Gelegentlich kontrollieren auch Mitarbeiter des städtischen Werkhofes die Arbeit der Asylsuchenden.

Sauberes Dübendorf: Nicht nur Anti-Littering

In Dübendorf gehören nicht nur die regelmässigen Anti-Littering-Touren zum Programm Saubere Gemeinde: Auch der Stadthausplatz und die zugehörige Tiefgarage werden täglich durch einen Asylsuchenden gereinigt. Aber auch andere Aufgaben zur Entlastung des Werkhofs werden von den  Asylsuchenden übernommen. Es sind einfache Tätigkeiten, die keine Ausbildung erfordern. Wenn die Asylsuchenden angelernt sind, können sie selbstständig arbeiten.

Die Friedhofsgärtnerei wird von etwa April bis Oktober von ein bis zwei Asylsuchenden unterstützt. Roger Kapp, der Friedhofsgärtner, sagt: „Es ist sehr spannend zu sehen, wie sich die (bisher nur) Frauen  aus anderen Kulturen verhalten. Ich persönlich möchte diese Erfahrungen und auch die geleistete Hilfestellung nicht mehr missen, sind es doch wichtige Arbeiten, die sie verrichten und auch Umgangsformen, die sie von unserer Kultur mitnehmen können.“

Die Dübendorfer Abfallsammelstelle wird samstagmorgens durch einen Asylsuchenden in einer Doppelschicht unterstützt. Er übernimmt Arbeiten wie beispielsweise Gebinde aufteilen. Auch Stefanie Strebel, die Leiterin Abfall & Recycling der Stadtverwaltung Dübendorf ist zufrieden: „Aus meiner Sicht finde ich es ein geniales Programm. Wir sehen es jetzt ja selbst hier wie sich Mohammed entwickelt. Auch wächst durch die – wenn auch nur kleinen – Einsätze bei uns auf der Hauptsammelstelle sein Selbstbewusstsein. Deutsch lernt er nebenbei auch noch ein wenig. Zu dem bekommt er auch gleich noch die Infos, was wo und wie hier in der Schweiz entsorgt wird. Wir unterstützen absolut solche Projekte.“

Das Beschäftigungsprogramm Saubere Gemeinde

Die ORS führt bereits länger Anti-Litteringprogramme durch, zum Beispiel in Dietikon. Von dieser Erfahrung ausgehend haben wir ein Programm entwickelt, das es uns erlaubt, das Konzept auf andere Gemeinden zu adaptieren. Wie in Dübendorf können ausser Anti-Littering auch andere Beschäftigungen übernommen werden, wie beispielsweise die Unterstützung der Friedhofsgärtnerei oder der Abfallsammelstelle, der Kleinunterhalt für Wanderwege, Waldpflege etc. Dabei gilt immer: Die Tätigkeiten, die Asylsuchende für einen Werkhof übernehmen, dürfen den ersten Arbeitsmarkt nicht konkurrenzieren.

Saubere Gemeinde richtet sich an Asylsuchende mit Status N, die in der Gemeinde untergebracht sind. Sie erhalten pro Einsatz eine Motivationszulage von 12.50 Franken pro Einsatz. Sobald sich ihr Status ändert, scheiden sie aus dem Beschäftigungsprogramm aus.

Auch andere Gemeinden setzen auf Beschäftigungsprogramme

Auch andere Gemeinden beschäftigen die bei ihnen lebenden Asylsuchenden im Beschäftigungsprogramm Saubere Gemeinde. Dazu gehören Birmensdorf und wie bereits erwähnt Dietikon, wo man schon seit fünf Jahren gute Erfahrungen macht.

In Meilen fand von Mai bis Ende September eine Testphase statt. Sechs Asylsuchende sammelten zweimal wöchentlich frühmorgens im Rahmen des Anti-Litteringprogramms Abfall in den Bahnhöfen Meilen und Herrliberg-Feldmeilen sowie in den Seeanlagen. Das wurde nicht nur von der Gemeinde, sondern auch von den Meilemern geschätzt. Ab und zu kam jemand auf die beiden Asylsuchenden und den zuständigen ORS-Mitarbeiter zu und bedankte sich persönlich für ihren Einsatz für ein sauberes Gemeindebild. Deshalb erstaunt es nicht, dass ab März 2015 Sauberes Meilen auf regelmässiger Basis fortgesetzt werden soll.

In Dübendorf, Dietikon, Birmensdorf und Meilen wurden in diesem Jahr bis Ende September zusammen bereits mehr als  4300 Arbeitseinsätze geleistet.

Gut für Asylsuchende und Gemeinden

Die Asylsuchenden, die am Beschäftigungsprogramm teilnehmen, befinden sich mitten im laufenden Asylverfahren. In dieser Phase verbringen sie viel Zeit mit Warten – das kann auf Dauer zermürbend sein. Eine Aufgabe kann diese Zeit erleichtern. „Wenn man eine Arbeit hat, hat man eine Aufgabe, und dann geht es einem besser“, sagt Lukas Kilchmann, der Verantwortliche des Beschäftigungsprogrammes. Das kann ein Grund für Asylsuchende sein, daran teilzunehmen. Andere möchten gerne etwas zurückgeben, weil sie froh darüber sind, hier in der Schweiz zu sein.

Gemeinden nehmen gerne an Saubere Gemeinde teil, weil die Gemeindewerke bei einfachen Tätigkeiten unterstützt und entlastet werden. Die Arbeit der Asylsuchenden ist für die Öffentlichkeit sichtbar. Die Asylsuchenden in den Leuchtwesten werden zum vertrauten Anblick, man kennt sich vom Sehen. „Auch wenn man sich nur vom Sehen kennt, schafft das trotzdem eine Beziehung“, erklärt Lukas Kilchmann. Und das fördert Akzeptanz und Verständnis füreinander und kann Bedenken oder Vorurteile abbauen.


Weitere Informationen und Kontakt

Lukas Kilchmann ist der Ansprechpartner bei der ORS für das Beschäftigungsprogramm Saubere Gemeinde. Interessierten Gemeinden stellt er gerne in einem persönlichen Gespräch die Grundstruktur des Programmes vor. Dabei können nicht nur offene Fragen geklärt, sondern auch Wünsche und eine mögliche Umsetzung diskutiert werden. Als nächster Schritt kann ein Gespräch mit dem Werkhof sinnvoll sein – so können konkrete Fragen geklärt, aber auch Bedenken aufgenommen werden. Das schafft die Voraussetzung dafür, dass später Werkhof und Asylsuchende mit der Teilnahme am Programm Saubere Gemeinde zufrieden sind.


Kontakt:

Lukas Kilchmann
Verantwortlicher Beschäftigungsprogramme
Telefon: 043 499 17 40       

 



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