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Liegenschaftsbewirtschafter bei der ORS

26. August 2014

Bei der ORS arbeiten nicht nur Betreuer und Sozialarbeiter. Die Berufsbilder in der Asylbetreuung sind vielseitiger, als man zunächst annimmt: So arbeiten bei der ORS auch Pflegefachpersonen, Sprachlehrerinnen und -lehrer oder Liegenschaftsbewirtschafter. Einer von ihnen ist Rolf Wittenwiller. Er ist seit etwas mehr als dreieinhalb Jahren zuständig für die Liegenschafts- und Lagerbewirtschaftung der Gemeindemandate der ORS. In diesem Interview gibt er Einblick in seine Arbeit.

Was sind die Hauptaufgaben eines Liegenschaftbewirtschafters?

Ich kümmere mich um die Unterkünfte, in denen Asylsuchende und Flüchtlinge in Gemeinden untergebracht werden. Das sind ganz normale Mietwohnungen, aber auch Wohnpavillons. Für diese Liegenschaften übernehme ich den kleinen Unterhalt, also alles, was ein privater Mieter auch selbst machen muss, und darüber hinaus den Unterhalt der Möbel. Ich bewirtschafte das Lager in Dübendorf und sorge dafür, dass immer ausreichend Grundausstattung, also Bettzeug, Geschirr oder Besteck vorrätig ist und bei Eintritten abgegeben werden kann. Auch das Besorgen und Lagern von Möbeln und Werkzeug gehört zu meinen Hauptaufgaben.

Gibt es weitere Aufgaben, die zu deiner Arbeit gehören?

Ja. Zu den weiteren Aufgaben gehört es, Liegenschaften zu übernehmen oder abzugeben. Auch das Organisieren und Durchführen von Umzügen gehört zu meiner Arbeit: Im kleinen Rahmen, wenn sich die Bewohnerkonstellation ändert, aber auch im grösseren Rahmen. Wenn ein Wohnobjekt zurückgegeben wird, übernehme ich die Wohnungsräumung. Manchmal auch, wenn jemand ausgeschafft wird oder untergetaucht ist. In diesem Fall bewahren wir die persönlichen Sachen ein Jahr lang auf. Ich erstelle Offerten für die Ersteinrichtung von Liegenschaften und setze diese bei Beauftragung um.  Ausserdem helfe ich beim Anti-Littering Programm „Saubere Gemeinde“ in Dietikon, Dübendorf und Meilen aus. Und ganz neu zu meinen Aufgaben hinzugekommen ist, dass ich ein Interview gebe. (lacht herzhaft)

Für wie viele Liegenschaften bist du momentan zuständig?

Ich kümmere mich gemeinsam mit zwei Kollegen um alle von der ORS betreuten Liegenschaften in den Gemeinden in den Kantonen Zürich, Solothurn und Basel. Insgesamt betreut die ORS auf Gemeindeebene Asylsuchende in rund 450 Wohnungen schweizweit.

Also bist du bei so vielen Wohnungen sicher auch viel unterwegs?

Ja, das stimmt, weil die mir zugeteilten Liegenschaften von Solothurn bis ins Zürcher Oberland verteilt liegen. Ich versuche, die tägliche Fahrtzeit mit effizienter Planung möglichst in Grenzen zu halten. Manchmal kommt es vor, dass ich Anrufe von den Betreuern bekomme, sogenannte Notfälle: kleine Wohnungsüberschwemmungen, kein Strom mehr und bald wieder kaputte Heizungen. Je nach Situation und kurzer Entscheidung kann das auch dazu führen, dass ich länger unterwegs bin.

Hast du auch einen festen Arbeitsplatz in einem Büro der ORS?

Einen festen Schreibtisch habe ich nicht mehr, aber das ist nicht so tragisch. Jeden Mittwoch bin ich in den Büroräumlichkeiten der ORS in Dietikon. An diesem Tag erledige ich klassische Bürotätigkeiten: Ich führe Korrespondenz, aktualisiere das Kassabuch, verfasse den Stunden- und Spesenrapport.  Weiter kontiere und schreibe ich Rechnungen, hole Offerten ein oder erstelle selbst welche für Gemeinden. Und ich kümmere mich um nötige Bestellungen.

An diesem Tag nehme ich mir auch Zeit, um mich mit den einzelnen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern abzusprechen und Rückmeldungen zu geben. Wie ist der Stand der Dinge, was ist ausstehend, was fällt neu an und was könnte allenfalls auch noch auf mich zukommen, wie neue Liegenschaften? Kommunikation ist sehr wichtig, um frühzeitig planen und koordinieren zu können, damit alles klappt. Wenn ich im Büro bin, nehme ich auch regelmässig an der Teamsitzung des IU-Bereichs teil, um einen Überblick zu bekommen.

Mit wem arbeitest du zusammen?

Das sind zunächst meine Arbeitskolleginnen und -kollegen von der ORS. Dann Asylsuchende, die mir beim Zügeln, Einrichten von Unterkünften, Räumungen und Entsorgungen helfen. Ausserdem arbeite ich natürlich mit vielen externen Handwerkern und Lieferanten von Geräten und Material.

Gibt es einen typischen Arbeitstag?

Im Wesentlichen arbeite ich die Arbeitsaufträge ab. Die Asylsuchenden melden den Sozialarbeitern der ORS, wenn etwas in ihrer Wohnung kaputt ist. Die Kollegen geben den Auftrag dann an mich weiter und ich koordiniere die Erledigung dieser Aufträge. Entweder führe ich sie selbst aus oder ich beauftrage einen externen Handwerker.

Wie sehen diese Arbeitsaufträge aus?

Als gelernter Handwerker bin ich es gewohnt, früh anzufangen. Im Laufe des Tages besuche ich verschiedene Liegenschaften. Die Arbeitsaufträge sind vielseitig und reichen vom Ersetzen von Kochplatten über das Ausliefern von Babybetten, wenn eine Familie ein Kind erwartet, bis zum Austauschen von Glühbirnen. Ich treffe mich mit Handwerkern. Beispielsweise mit einem Sanitär in einer Wohnung, die gerade für den Bezug durch Asylsuchende vorbereitet wird. Dort besprechen wir, was an den Wasseranschlüssen und den Waschmaschinenabläufen gemacht werden muss. Dort kann ich auch gleich den Fortschritt der Arbeit des Elektroinstallateurs inspizieren. Weitere Aufträge führen mich in Wohnungen, wo ich mir kaputte Waschmaschinen oder Elektroherde anschaue. So kann ein typischer Vormittag aussehen.

Was sind die grössten Herausforderungen bei deiner Arbeit?

Wenn ich einen Kollegen während seiner Ferien vertrete, denn jeder hat seine eigene Vorgehensweise. Um kompetente Antworten geben oder eine Lösung finden zu können ist es deshalb wichtig zu wissen, was sich geändert hat oder was neu ist, was mit den Ansprechpartnern abgemacht wurde und welche Aufgaben noch anstehen.

Allgemein gilt für meinen Job, dass man nicht versuchen darf, es allen recht zu machen. Es ist wichtig, sich das immer wieder bewusst zu machen und eine eigene Linie zu verfolgen.

Gibt es grosse Unterschiede bei den Vorgaben der Gemeinden?

Es gibt kleine aber feine Unterschiede beim Ablauf: Zum Beispiel ob bei einem Schaden, etwa wenn eine Waschmaschine endgültig kaputt ist, lediglich der Hauswart der Gemeinde informiert wird oder ob ich mich darum kümmere und Offerten für Ersatz einhole. Oder ob bei einer Ersteinrichtung eine Wohnung mit neuen IKEA-Möbeln oder mit gebrauchten Möbeln aus einem Brocki oder aus Spenden von Privatpersonen möbliert wird. Aber für die Arbeit mit allen Gemeinden gilt: Die ORS ist ein ISO-zertifiziertes Unternehmen, wir halten unsere im Qualitätsmanagementssystem festgelegten Abläufe und den im Liegenschaftsbereich etablierten ORS-Standard ein.

Wie sieht dein Kontakt mit den Asylsuchenden aus?

Nicht anders, als sonst irgendwo mit anderen Menschen auch. Sie verhalten sich wie alle anderen Menschen und werden von mir mit dem gleichem Respekt behandelt. Gleich behandelt werden sie von mir aber natürlich auch, wenn etwas wegen mutmasslicher Beschädigung oder unsachgemässer Bedienung kaputt gegangen  ist.

Was magst du besonders an deiner Arbeit?

Ich mag, dass es eine sehr abwechslungsreiche Arbeit ist, bei der ich meine Lebenserfahrung und mein vielseitiges Fachwissen einsetzen kann. 

Was magst du weniger?

Von der eigentlichen Arbeit mag ich weniger Zügelaktionen, Räumungen, Entsorgungen und wenn etwas geputzt werden muss. Oft treten auch Leute mit Themen an mich heran, für die ich nicht zuständig bin. Das kann den Ablauf der Arbeit beeinträchtigen.

Was schätzt du an der Arbeit bei der ORS?

Ich schätze das kollegiale und hilfsbereite Verhalten in unserem Team, die flexible Arbeitszeit und dass ich nicht im Schichtdienst oder Wochenendeinsatz arbeite, was in einem Dienstleistungsbetrieb nicht selbstverständlich ist. Und natürlich auch das Multikulturelle.



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