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Die ersten Bewohner im DZ Fridau

20. Oktober 2014

Die ersten Bewohner auf der Fridau in Egerkingen sind Männer aus Eritrea. 52 Asylbewerber beherbergte das neue Durchgangszentrum im Osttrakt der ehemaligen Klinik Fridau am vergangenen Mittwoch, 15. Oktober 2014.

Bis auf einen Mann aus Sri Lanka leben bisher nur Männer aus dem ostafrikanischen Eritrea im Durchgangszentrum (DZ) Fridau. Die ältesten scheinen vielleicht um die 40 Jahre alt, die jüngsten kaum 20. Die meisten lebten zuvor in der Zivilschutzanlage Biberist, die der Kanton nun geschlossen hat. Weitere Bewohner werden in den nächsten Tagen einziehen, bis Ende Oktober sollen die 80 Plätze belegt sein. Nach Oberbuchsiten, Selzach und Balmberg ist die Fridau das vierte kantonale Asylzentrum. «Die Männer sind auf dem 1. Stock untergebracht», erklärt Claudia Hänzi, Chefin des Solothurner Amts für soziale Sicherheit (ASO), die das Zentrum gestern besuchte. «Der 2. Stock ist für Frauen und Kinder vorgesehen. Wir wollen eine gute Durchmischung erreichen. » Die Eritreer hätten derzeit gute Aussichten, in der Schweiz bleiben zu können. Etwa drei bis fünf Monate werden sich die einzelnen Asylbewerber in der Fridau aufhalten; in dieser Zeit erhalten sie - zentral in Solothurn - zwei Lektionen Deutsch- und Kulturunterricht pro Woche. Danach folgt die Zuteilung an eine Gemeinde.

Essen, Mitarbeiten, Freizeit

Das Frühstück richten sich die Asylbewerber im Haus selbst, während das Mittag- und Abendessen aus der Küche des Bürgerspitals Solothurn angeliefert wird. Am Mittag ist es jeweils das Menü 1 ohne Suppe und Dessert, wobei Schweinefleisch für alle ersetzt wird. Für etwa 15 bis 20 Asylbewerber bietet der Zentrumsbetrieb Beschäftigung mit «Ämtli» wie Abwaschen, Wäsche oder Putzen. Für die andern organisiert die Betreuung Beschäftigungsmöglichkeiten ausser Haus. Infrage kommen  Einsätze für den Werkhof, Littering beseitigen, Unterhalt von Wanderwegen, Neophyten-Bekämpfung, Aufräumen im Wald. Ein wichtiger Partner ist die Standortgemeinde Egerkingen. Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi zeigt sich zuversichtlich: «Ich denke auch an Hotels und grössere Firmen.» Um die Beschäftigungsplätze gebe es manchmal ein Gerangel, berichtet Zentrumsleiter Andreas Jaross von der Betreuungsfirma ORS Service AG: «Die Leute wollen arbeiten, weil sie damit etwas verdienen können.» Die Asylbewerber haben aber auch Freizeit und können einkaufen oder in den Ausgang. Der 2,5 km lange Weg ins 200 Meter tiefer gelegene Dorf ist zu Fuss in einer halben Stunde zu bewältigen. Dort gibts Züge Richtung Olten und Solothurn. Jaross hat die Eritreer bereits in Biberist betreut und beschreibt sie als zurückhaltend, ruhig, kooperativ. «Es gab keine Polizeieinsätze wegen Schlägereien, bei Türschliessung um 22 Uhr waren die Bewohner immer im Zentrum.» Und: «Mit Männern aus Tunesien, Algerien und Marokko war es vor zwei Jahren in Solothurn viel schwieriger.» Die Verständigung zwischen dem vierköpfigen Betreuerteam und den Eritreern geschieht laut Jaross mit  Zeichensprache und auf Englisch. Einer, der gut Englisch kann, ist der 20-jährige Yohannes, der in Eritrea ein College besuchte und Ingenieur werden wollte, wie er uns erldärt. «Alle hier waren in der Armee und sind aus dem Militärdienst geflohen.» In Eritrea gebe es keine Freiheit, alles werde vorgeschrieben. «Und mit 20 Franken im Monat kann man keine Familie ernähren.» Nach eigenen Angaben ist Yohannes über Libyen nach Italien gekommen und mit dem Zug nach Zürich gefahren. «In Italien ist alles überfüllt, niemand hilft einem.» In der Schweiz dagegen gebe es Demokratie und Ausbildungsmöglichkeiten. Von seinen Mitbewohnern in der Fridau wollten alle Deutsch lernen und arbeiten: «Zu 100 Prozent», meint er, «aber wir brauchen Unterricht und Lehrbücher.» Auf den Hinweis, dass manche Egerkingen Angst hätten vor den fremden Männern auf der Fridau, blickt Yohannes etwas ratlos und stellt die Gegenfrage: «Was können wir dagegen tun?»

Quelle: AZ, Solothurner Zeitung vom 16.10.2014



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