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Die Vorbereitungen für Aeschiried

27. Oktober 2014

Ein Interview mit dem operativen Leiter Peter Wenger der ORS. Er arbeitet seit 15 Jahren im Asylwesen. Zurzeit bereitet Peter Wenger gemeinsam mit seinem Team die Ankunft von Asylsuchenden in Aeschiried vor.

«Frutigländer»: Peter Wenger, was tut die ORS als Betreiberin der Unterkunft für die Sicherheit der Bewohner
und der Öffentlichkeit?

Peter Wenger: Die Sicherheit beginnt mit einer aktiven Betreuung und einem aktiven Konfliktmanagement. Wir machen Kontrollgänge, zeigen Präsenz im und um das Haus. Wenn das Personal wechselt, wird eine ordentliche Übergabe gemacht. Ansonsten versuchen wir natürlich «nah dran» zu sein an den Bewohnern, um zu spüren, wie die Stimmung ist. Auch die Zusammensetzung der Personen in den einzelnen Zimmern ist wichtig, ebenso der Austausch mit der Polizei. Die Asylsuchenden wissen: Eine Asylunterkunft ist nie ein rechtsfreier Raum.

Wie stellen Sie sicher, dass abends alle Bewohner in der Unterkunft sind?
Wir werden eine Präsenzliste führen und darauf achten, dass die Bewohner zur vereinbarten Zeit anwesend sind. Es ist aus Sicherheitsgründen speziell in der Nacht wichtig, genau zu wissen, wie viele Personen im Haus sind. Auch, damit im Fall einer Evakuierung klar ist, wie viele Personen zu retten sind.

Kommt es vor, dass sich Asylsuchende nicht an die Spielregeln halten?
Das kommt vor, ja. Überall, wo Menschen zusammenleben, kann es zu Zwischenfällen kommen. Bewohner, die sich nicht an die Spielregeln halten, werden bis zu zwei Mal verwarnt. Danach kann als Sanktion zum Beispiel ein Hausverbot ausgesprochen werden. Bei schwerwiegenden Fällen rufen wir die Polizei. Unsere Betreuerinnen und Betreuer wissen genau, wie sie sich in schwierigen Situationen verhalten müssen. Sie werden dafür entsprechend weitergebildet.


Wenn jemand öfter gegen die aufgestellten Regeln verstösst was passiert dann konkret?
Dann werden wir zusammen mit dem Migrationsdienst sehr schnell über weitere Massnahmen diskutieren. Der Entscheid, bestimmte Massnahmen zu verfügen, liegt dann bei den Behörden.

Wie ist Ihre Zusammenarbeit mit der Polizei vor Ort?
Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei und begrüssen es, wenn sie ab und zu Präsenz markiert, vielleicht auch mal durchs Haus geht und sich dort zeigt. Die Polizei ist ein wichtiger Partner für uns.

Auch in der Gemeinde wird die ORS auf Partner angewiesen sein, etwa, wenn es um die Beschäftigung der Asylsuchenden geht.
Wir werden natürlich selbst einiges dafür tun, die Bewohner zu beschäftigen. Es gibt eine feste Tagesstruktur, das Gelände und das Haus müssen in Ordnung gehalten werden, und dafür verteilen wir viele verschiedene «Ämtli». Kinder werden im Durchgangszentrum unterrichtet; für die Erwachsenen gibt es Deutschkurse. Im Winter haben wir die Verpflichtung, rund 600 Meter Zufahrtsweg zum Durchgangszentrum schwarz zu räumen (Feuerwehrzufahrt). Auch Sport ist eine gute Ausgleichsmöglichkeit. Aber natürlich sind wir auch über Inputs aus der Gemeinde froh, der runde Tisch ist hier sicher eine wertvolle Hilfe und eine gute Austauschbasis. In der Vergangenheit haben wir mit gemeinnützigen Beschäftigungsprogrammen bereits in anderen Gemeinden viele gute Erfahrungen gemacht. Es ging soweit, dass es Gemeinden tatsächlich auch bedauerten, dass die lokale Asylunterkunft geschlossen wurde.

An welche Angebote denken Sie? Haben Sie Beispiele aus anderen ORS-Unterkünften?
Auch in Aeschiried werden wir gemeinnützige Beschäftigungsprogramme etablieren. Aktuell sind wir im Rahmen des runden Tisches daran, mögliche Tätigkeiten zu definieren.

Quelle: Frutigländer vom 24.10.2014



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