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Die ORS gratuliert zur eidgenössischen Migrationsfachperson

12. August 2014

Die Betreuung von Asylsuchenden ist spannend, aber auch voller Herausforderungen. Bei der ORS ist Weiterbildung deshalb ein wichtiges Thema. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nehmen regelmässig an den Weiterbildungskursen der ORS teil. Manchmal haben Betreuerinnen oder Betreuer jedoch das Bedürfnis und Interesse an darüber hinausgehenden umfangreichen Weiterbildungen. Sie sind bereit, neben der Arbeit zusätzlichen Aufwand in Kauf zu nehmen.

Zum Beispiel Joyce Illi: Sie arbeitet seit 2008 als Betreuerin bei der ORS im Durchgangszentrum Römerweg in Embrach. Ende Mai hat sie erfolgreich die Prüfung für den Fachausweis als eidgenössische Migrationsfachperson abgeschlossen. Die ORS gratuliert ihr auch hier nochmals herzlich. Im folgenden Interview beantwortet sie Fragen zu ihrer Motivation und darüber, welchen Nutzen die Weiterbildung für ihre tägliche Arbeit als Betreuerin hat. 

Warum hast du die Weiterbildung zur Migrationsfachperson gemacht?

Ich wollte mich in diesem Bereich weiterbilden. In Kenia, woher ich ursprünglich komme, hatte ich Soziologie studiert. In der Schweiz habe ich anfangs eine Ausbildung als Hotelfachfrau gemacht. Dann wollte ich regelmässigere Arbeitszeiten und vor allem wieder zurück zur sozialen Arbeit. Das war für mich der Auslöser, mich bei der ORS zu bewerben. Das wollte ich davor eigentlich schon lange machen.

Um die Weiterbildung absolvieren zu können, muss man im Sozialbereich tätig sein und Berufserfahrung nachweisen. Also habe ich erst eine Weile bei der ORS gearbeitet, dann konnte ich mich für die Weiterbildung anmelden. Ich war mir auch ganz sicher, dass das genau der Bereich ist, in dem ich noch weitermachen will.

Wo und wie lange hast du die Weiterbildung gemacht?

Der Lehrgang bei der Agogis in Zürich-Oerlikon dauerte ein Jahr. Er  ist sehr praxisorientiert und richtet sich an Leute, die im Sozialwesen arbeiten. Am Ende des Lehrgangs habe ich die staatliche Berufsprüfung zur eidgenössischen Migrationsfachperson abgelegt.

Wie war der Lehrgang aufgebaut?

Die Weiterbildung besteht aus 5 Modulen. Jedes dieser Module besteht aus 5 – 6 Unterrichtstagen, ausserdem wird eine Lernplattform und Material zur Vor- und Nachbereitung zur Verfügung gestellt. Man muss sich viel Stoff selbst erarbeiten und auch Eigenrecherche wird vorausgesetzt.  Der Unterricht wird von sehr guten Dozenten gehalten, zum Beispiel zum Thema „psychologische Betreuung“ von einem Psychologen des Unispitals Zürich.

Wie gut liess sich die Weiterbildung mit deiner Arbeit vereinbaren?

Gut. Eigentlich war es kein Problem, beides miteinander zu vereinbaren. Es war natürlich viel Stoff und ich habe auch regelmässig an den Wochenenden gelernt. Die Arbeit hilft jedoch auch beim Lernen, weil man einen Bezug zur Arbeit herstellen und das Gelernte direkt anwenden kann. Bei der Arbeit betreuen wir Klienten, die aus ganz unterschiedlichen Gründen hier sind.  Die Weiterbildung hat mir ein grundsätzlich besseres Verständnis für ihre Sorgen und ihr Verhalten vermittelt und damit auch den Umgang erleichtert.

Was fandst du an der Ausbildung besonders interessant? Was war neu für dich?

Das ist insgesamt eine super Ausbildung, die ein sehr breites Spektrum abdeckt: von Migration über interkulturelle Kommunikation bis  zu administrativen Grundlagen wie Rechnungswesen oder ähnlichem. Es werden viele Themen aufgegriffen, die uns beschäftigen und die mit dem zu tun haben, was wir täglich in der Arbeitswelt machen.

Interessant fand ich auch, dass man sich in der Weiterbildung sehr mit aktuellen Themen auseinandersetzen muss. Bei mir war zum Beispiel gerade die Masseneinwanderungsinitiative aktuell. Die Beschäftigung mit Gegenwartsthemen, die gerade diskutiert werden, fand ich sehr interessant und nützlich. Darein habe ich auch gerne Zeit investiert.

Hilft dir die Weiterbildung bei deiner täglichen Arbeit als Betreuerin?

Die Ausbildung ist sehr hilfreich für die tägliche Arbeit und hat mir diese sehr erleichtert. Im Umgang mit den Klienten habe ich mehr Sicherheit gewonnen, aber auch mehr Verständnis.

Zum Beispiel habe ich in der Ausbildung das Ausländergesetz und die Asylgesetze behandelt. Wir von der ORS beraten die Asylsuchenden ja nicht zu ihrem Verfahren. Aber ich kann ihnen nicht nur ihre Post erklären, sondern ihnen auch besser erklären, wie ihre aktuelle Situation aussieht, wie es weiter geht, wie das Verfahren abläuft und wohin sie sich wenden können. Diese Ungewissheit ist für die Asylsuchenden ja eine grosse psychische Belastung. Wenn Nachfragen kommen, fühle ich mich mit dem Wissen aus der Weiterbildung viel sicherer. Das ermöglicht mir, diese Gespräche lockerer und selbstsicherer zu führen und den Asylsuchenden auf ihre Fragen kompetent Auskunft zu geben.

Und wenn ich mich ganz sicher fühle und wirklich Übersicht habe, kann ich da etwas Druck rausnehmen und ein Verständnis für die Situation und den Prozess, wie es weitergeht, vermitteln.

Welches Thema hat dich besonders interessiert?

Neben der mündlichen und der schriftlichen Abschlussprüfung gehört auch eine Diplomarbeit dazu. Das Thema meiner Arbeit war „Frauen auf der Flucht“, ein Thema, das mich schon lange interessiert hat und das ich gerne vertiefen wollte. Das Erarbeiten und die Auseinandersetzung mit diesem Thema haben mich bewegt. Ich bin nun in meiner täglichen Arbeit sensibilisiert für die Fluchtgründe, die Frauen in die Schweiz führen.

Wie hat die ORS als Arbeitgeber deine Weiterbildung unterstützt?

Ich konnte fünf Arbeitstage als Weiterbildungstage einsetzen. Ausserdem hat die ORS meine Weiterbildung durch einen finanziellen Beitrag unterstützt.

Was würdest du Kolleginnen und Kollegen raten, die über eine Weiterbildung nachdenken?

Ich kann diese Ausbildung jedem nur empfehlen, der eine Weiterbildung im Sozial- oder Migrationsbereich machen möchte. Nicht nur wegen des fachlichen Wissens, sondern auch wegen der persönlichen Entwicklung. Man wird mit Fragen konfrontiert wie etwa: Wie kann ich mit kritischen Situationen bei der Arbeit umgehen, wo sind meine Grenzen? Und natürlich lernt man auch viel über Soziales und Versicherungen, darüber, welche Rechte man hat und solche Dinge.



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