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Das Zentrum für Ausbildung und Beschäftigung in Solothurn

18. Juni 2014

Seit 2007 ist die ORS im Kanton Solothurn für die Betreuung und Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen auf kantonaler Ebene zuständig. Die ORS übernimmt auch Deutschunterricht und Beschäftigungsprogramme. Diese werden vom Zentrum für Ausbildung und Beschäftigung in Solothurn (ZAB) organisiert und durchgeführt. Asylsuchende und Flüchtlinge können sich dort für Integrationsangebote in zwei Bereichen anmelden: Alphabetisierungs- und Deutschkurse sowie Beschäftigungsprogramme.

Alphabetisierungs- und Deutschkurse

Im Jahr 2013 besuchten mehr als 570 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die 42 vom ZAB Solothurn angebotenen Deutsch- und Alphabetisierungskurse. 2014 werden 50 Kurse angeboten. Die Deutschkurse, die in Solothurn und Olten stattfinden, gehen auf die unterschiedlichen Sprachniveaus und Lernerfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. Das Angebot reicht von Alphabetisierungskursen über Deutschunterricht auf verschiedenen Niveaus bis zum Zielniveau A2. Für Frauen wird zusätzlich ein spezieller Frauenkurs mit Kinderhütedienst angeboten.

Der Deutschunterricht wird von den Lehrkräften lebensnah und handlungsorientiert gestaltet. Sie orientieren sich am vom Bundesamt für Migration entwickelten Rahmencurriculum „fide". Dieser berücksichtigt sowohl die kommunikativen Bedürfnisse der Asylsuchenden und Flüchtlinge als auch die Anforderungen, welche die Schweizer Gesellschaft und das Arbeitsleben an sie stellen.

Das ZAB ist eine eduQua zertifizierte Institution, die auch zur Abnahme von telc-Prüfungen autorisiert ist. Alle Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer können am ZAB eine offizielle telc-Prüfung für das erreichte Sprachniveau ablegen. Bei Bestehen erhalten sie einen international anerkannten Nachweis über ihre Sprachkenntnisse. Dieser kann zum Beispiel bei Bewerbungen hilfreich sein.

Beschäftigungsprogramme

Neben dem Deutschunterricht sind Beschäftigungsprogramme ein weiteres Angebot an die Asylsuchenden. Das Üben von Pünktlichkeit und Genauigkeit, selbständiges Arbeiten und die Übernahme von Verantwortung stehen dabei im Fokus. Es wird unterschieden zwischen Beschäftigungsprogrammen in der Phase 1, welche in den Durchgangszentren durchgeführt werden, und Beschäftigungsprogrammen in der Phase 2, welche auf Gemeindeebene angeboten werden. Programme in Phase 1 werden durch das Beschäftigungsteam der ZAB unter der Leitung von Thomas Jost geplant und organisiert und in Zusammenarbeit mit den ORS-Betreuerinnen und -Betreuern in den Durchgangszentren durchgeführt. Hierbei handelt es sich um gemeinnützige Landschafts- und Ökologieprojekte, das Anti-Littering Programm „SO-suuber", sowie Atelierprojekte in den Zentren. Im Jahr 2013 nahmen nahezu 500 Personen an den Beschäftigungsprogrammen in den Durchgangszentren teil.

Die Beschäftigungsprogramme in Phase 2 werden durch die Leitung des ZAB koordiniert und mit Partnerorganisationen durchgeführt. Unterschiedliche Aufgaben im Bereich Konfektionierung, Etikettierung, Brennholz- und Metallverarbeitung und Lagerverkauf stehen zur Auswahl. Auf dieser Ebene konnten im Jahr 2013 ca. 150 Personen in einem Beschäftigungsprogramm platziert werden. Die Einsätze dauern normalerweise rund drei Monate und sind für Personen gedacht, die 100 Prozent einsatzfähig und motiviert sind. Nehmen die Teilnehmer regelmässig an einem Programm teil, erhalten sie eine Teilnahmebestätigung, die sowohl die erbrachte Leistung als auch das Verhalten im Team und gegenüber Vorgesetzten beschreibt. Die Teilnahmebestätigungen sind neben den Deutschzertifikaten die ersten und oft einzigen Bewerbungsdokumente, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einer Arbeitssuche in der Schweiz vorweisen können.

6 Fragen an Petra Persson, die Leiterin des ZAB der ORS in Solothurn:

Wie funktioniert das ZAB?

„Das ZAB ist, wie der Name schon sagt, ein Zentrum für Ausbildung und Beschäftigung. Das Zentrum selbst ist vergleichbar mit einer Schule. Es gibt fünf helle geräumige Schulräume mit moderner Ausstattung, einen Aufenthaltsraum für die Pausen und zwei Büros für Kursadministration und Beschäftigungsteam.

Die Kursadministration plant, organisiert und koordiniert die Deutschkurse und sorgt für einen reibungslosen Ablauf, nicht nur im ZAB, sondern auch in Olten und in den von der ORS geführten Durchgangszentren, wo wir ebenfalls Deutschkurse durchführen. Letzteres ermöglicht uns, bereits in der DZ-Phase die Klienten in die verschiedenen Sprachniveaus einzuteilen, sodass sie nach dem Transfer in die Gemeinden nahtlos in den für sie richtigen Kurs eingestuft werden können."

Welches Ziel verfolgen die Beschäftigungsprogramme?

„Alle Beschäftigungsprogramme verfolgen dasselbe Ziel: Den Klienten durch regelmässige und verbindliche Aufgaben eine Tagesstruktur zu ermöglichen. Durch die Arbeit in kleinen und grossen Teams wird die Eigen- und Sozialkompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefördert sowie deren Selbstwertgefühl gesteigert. Dies wirkt sich auf die Gemüts- und Stimmungslage positiv aus. Die meisten Arbeiten sind in kurzer Zeit erlernbar und erfordern keine Vorkenntnisse. Benötigtes handwerkliches Knowhow wird unter fachlicher Anleitung vermittelt und die Ausführung begleitet. Schlüsselkompetenzen wie Zuverlässigkeit, Ausdauer, Lernbereitschaft oder Motivation werden vermittelt und gelernt. Während der Beschäftigungsprogramme wird, wenn immer möglich, deutsch gesprochen."

Welche Bedeutung haben die Deutschkurse und Beschäftigungsprogramme für die Asylsuchenden und Flüchtlinge?

„Bildung öffnet Türen. Dessen sind sich auch unsere Klienten bewusst. Deshalb ist „Deutschlernen" neben einem sicheren Zuhause das Wichtigste für Asylsuchende und Flüchtlinge. Deutschkurse und Beschäftigungsprogramme unterbrechen nicht nur die Wartezeit und geben dem Tag eine verbindliche Struktur – sie sind auch Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft."

Wie wird das Programm von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern angenommen?

„Die Sprachkurse werden durchwegs sehr positiv und dankbar angenommen. Die Nachfrage ist viel grösser als das Angebot. Die Teilnahme an den Beschäftigungsprogrammen in den Durchgangszentren ist ebenfalls sehr hoch und motiviert. In den externen Beschäftigungsprogrammen auf Gemeindeebene gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen. Es zeigt sich schnell, wer wirklich arbeiten möchte und auch bereit ist, früh aufzustehen und einen oft langen Arbeitsweg in Kauf zu nehmen etc. Im Jahr 2013 hatten wir 13 Prozent Abbrüche bzw. vorzeitige Austritte zu verzeichnen. 87 Prozent der Teilnehmer haben das jeweilige Programm über die erforderlichen drei Monate besucht und die entsprechende Teilnahmebestätigung erhalten."

Wie ist das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl zu den Deutschkursen als auch zu den Beschäftigungsprogrammen?

„Jeweils am letzten Kurstag jedes Deutschkurses wird eine Kursevaluation durchgeführt. Wir freuen uns darüber, dass das dort gegebene Feedback durchwegs sehr positiv ist und fast ausnahmslos der Wunsch nach einem Folgekurs bei der ORS zum Ausdruck gebracht wird. Das Feedback zu den Beschäftigungsprogrammen auf Gemeindeebene ist ebenfalls positiv. Es besteht aber eine grosse Nachfrage nach mehr und vielseitigeren Beschäftigungsprogrammen."

Welchen Herausforderungen sieht sich das ZAB gegenüber?

„Im Juni 2014 führen wir erstmals die telc A1 und A2 Sprachprüfungen in unserer Institution durch – das ist eine neue Aufgabe und somit auch eine Herausforderung. Eine dauerhafte Herausforderung ist, die Wartelisten für die Deutschkurse abzubauen und mit dem vorgegebenen finanziellen Rahmen und der Infrastruktur ein maximales Kursangebot zu erarbeiten, sodass möglichst viele Klienten einen Deutschkurs besuchen können.

Auch der Schulunterricht für die asylsuchenden Kinder aus den Durchgangszentren zählt zu den Herausforderungen. Die Kinder werden im ZAB unterrichtet. Das ist – auch in Verbindung mit der soziokulturellen Animation und dem Mittagstisch – natürlich eine besonders anspruchsvolle Aufgabe."

Das Gesamte Programm des ZAB Solothurn finden Sie hier



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