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"Zehn Flüchtlinge auf einen Einwohner"

08. Dezember 2014

Planen Bund oder Kanton in einer Gemeinde ein Asylzentrum, ist der Widerstand von Bürgern und Lokalpolitikern fast so sicher wie das Amen in der Kirche. In Oberembrach ZH ging man bis vor Bundesgericht – und verlor. Wie ist die Situation heute, nach fünf Jahren Erfahrung mit 145 Nachbarn, die kaum einer haben will?

Sonnenbühl: Ein kleiner, idyllischer Weiler der Gemeinde Oberembrach ZH. Das Dorfzentrum ist rund dreieinhalb Kilometer entfernt, das nächste Dorf Brütten drei und die Stadt Winterthur zehn. Sonnenbühl bietet viel grüne Natur, dafür keine ÖV-Verbindung, keinen Laden, keine Post und keine Beiz. Es hat eine Hand voll Häuser, vielleicht zehn Einwohner – und ein Durchgangszentrum für bis zu 145 Asylbewerber.

Das kann nicht funktionieren, schiesst es einem spontan durch den Kopf. Alte Medienberichte nähren den Verdacht: «Nicht zumutbar», sagte etwa der Oberembracher Gemeindepräsident Bernhard Haas (parteilos) im November 2008. «500 Unterschriften gegen Asylzentrum», «Kampf einer Kleinstgemeinde gegen die übermächtig erscheinende Staatsmacht» oder «problematische Zustände drohen», berichteten die Medien ab 2004, als der Kanton zum ersten Mal mit der Idee eines Asylzentrums liebäugelte. Bettwil lässt grüssen. Bis vor Bundesgericht trug die Gemeinde Oberembrach ihren Kampf gegen das Asylheim. In der Sache hatte der Gemeinderat wohl Recht, das  Durchgangszentrum liegt zu einem Teil in der Kern-, zu einem anderen Teil in der Landwirtschaftszone. Dennoch entschieden die obersten Richter in Lausanne gegen die Zürcher 1000-Seelen-Gemeinde: «Übergeordnetes öffentliches Interesse», begründete das Bundesgericht sein Urteil. Und so zogen zu Ostern 2009 die ersten Asylsuchenden in das grösste Gebäude im Sonnenbühl, welches als Kinderheim gebaut, später als  Drogentherapiestation genutzt wurde und danach fünf Jahre lang leerstand. Da das Gebäude dem Kanton gehört, lag es auf der Hand, dieses für die Unterbringung von Asylsuchenden zu nutzen. [...]

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Quelle: Kommunalmagazin, Ausgabe 6, Dezember 2014/ Januar 2015

 



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