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Studieren(de) bei der ORS

19. Juni 2013

Seit 2010 begleitet die ORS Studentinnen und Studenten der Sozialen Arbeit während des praktischen Teils ihres Studiums.

Je nach Fachhochschule bzw. höheren Fachschule dauert die Ausbildung in sozialer Arbeit zwischen drei und vier Jahren. Die Dauer des Praxisausbildungsteils variiert je nach Bildungsinstitution.

Die Schulen bieten häufig zwei verschiedene Modelle an: das Vollzeitstudium und die Teilzeitvariante. Während beim Vollzeitstudium oftmals zwei Praktika à sechs Monaten vorgesehen sind, arbeitet ein Studierender im Teilzeitstudium während der ganzen Studienzeit durchschnittlich drei Tage pro Woche in einer Praxisorganisation.

Die ORS sieht bei einer mehrjährigen Ausbildung zwei Einsätze vor: einen in einer Kollektivunterkunft (KU), also einem Durchgangszentrum (DZ) oder einer Notunterkunft (NUK), und einen als Sozialberater, bei dem die Studierenden die Asylsuchenden in den Gemeinden betreuen.

Diese Praktika können je nach Wunsch des Studenten in einer zum Wohnort nahe gelegenen Unterkunft bzw. einem Büro erfolgen oder, weil die ORS in der ganzen Schweiz tätig ist, auch in einem anderen Sprachgebiet der Schweiz. Zurzeit nimmt ein Student aus der Deutschschweiz dieses Angebot wahr und absolviert seinen Praxis-Einsatz in der Region Fribourg.

Die Schulen geben den Praxisinstitutionen festgelegte Kompetenzanforderungen vor, welche im Laufe der Ausbildung erworben werden müssen. Gemäss diesen Anforderungen werden zusammen mit den Studierenden Ziele gesetzt und erarbeitet. Ein Praxisausbildner der Institution unterstützt den Studierenden in regelmässigen Sitzungen und Standortgesprächen, um diese Zielsetzungen zu erreichen.

Wer kann sich für einen Ausbildungsplatz bei der ORS bewerben?

Prinzipiell jede und jeder. Grundvoraussetzungen sind die bestandene Aufnahmeprüfung an einer Fachhochschule oder Fachschule für Soziale Arbeit, ein verfügbarer Praxisausbildungsplatz bei der ORS und die Anerkennung der ORS als Praxisausbildungsinstitution durch die Schule. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bereits vor Studienbeginn bei der ORS gearbeitet haben und sich für das Studium interessieren, werden gegenüber externen Bewerbern bevorzugt.

Die ORS bietet sieben Ausbildungsplätze an. Jeder Studierende wird während des gesamten Zeitraums von einem Praxisausbildner (Weiterbildung für dipl. Sozialarbeiter oder -pädagogen) begleitet. Zurzeit begleitet die ORS in der West- und Deutschschweiz fünf sogenannte MaiAs (= Mitarbeiter in Ausbildung, Teilzeitstudierende), einen Praktikanten (Vollzeitstudium) und einen Vorpraktikanten.

Voraussetzungen für die kombinierte Ausbildung

Die Schulen stellen den Anspruch, dass jeder Studierende, der Soziale Arbeit studieren möchte, eine Vorbildung nachweisen muss. Das kann eine abgeschlossene Berufslehre oder die Matura sein. Die ORS setzt dazu noch zwei weitere Kriterien: Einerseits sollen die Studierenden bei Studienbeginn mindestens 25 Jahre alt sein und andererseits mindestens eine 60%-ige Anstellung übernehmen können. Jene, die sich für diese Praxisausbildung entscheiden, müssen sich der Mehrfachbelastung (Schule und Arbeit, aber auch Kosten) bewusst sein.

Für das Studium der Sozialen Arbeit sollte ein Studierender das Interesse an Theorien und Modellen über die professionelle Betreuung von Asylsuchenden mitbringen. Das Interesse an Hintergründen und Formen sozialer Probleme, das Interesse an Menschen, ihren Schwierigkeiten, Belastungen und Entwicklungsmöglichkeiten und die Bereitschaft, in einem institutionellen Rahmen zu arbeiten sowie administrative Tätigkeiten sorgfältig und zuverlässig auszuführen, sind wichtige Voraussetzungen, die ein Bewerber auch mitbringen sollte.

Zwei Studenten, die bei der ORS arbeiten, erzählen uns im folgenden Interview von ihren Erfahrungen und der Ausbildung.

 

Wann hast du mit deinem Studium „Soziale Arbeit“ begonnen?

A.H.: Im Februar 2011. Dies, nachdem ich bereits seit 2008 bei der ORS als Betreuerin in einem Durchganszentrum gearbeitet habe.

N.M.: Ich habe im Februar 2012 mit dem Studium angefangen.

 

An welcher Fachhochschule studierst du?

A.H.: ZHAW, Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft, Departement Soziale Arbeit

N.M.: Ich auch an der ZHAW.

 

Kannst du den Ablauf deiner Ausbildung bei der ORS erklären?

A.H.: Ich studiere im Modell „Mitarbeiterin in Ausbildung“. Es gibt einen „Dreiecksvertrag“ mit der ZHAW, der ORS und mir. Als Mitarbeiterin in Ausbildung arbeitet man in einer Praxisorganisation bei einem Pensum von 60 Prozent. An zwei Tagen besuche ich Vorlesungen in der Schule und an drei Tagen arbeite ich bei der ORS. Während dieser Zeit erhält man einerseits Anleitung im Praxisfeld vom direkten Vorgesetzten, anderseits wird man auch von einem Praxisausbildner begleitet, der mich regelmässig an meinem Arbeitsort besucht.

Seitens ZHAW gibt es ein Qualifikationsraster, welcher verschiedene Kompetenzen mit Lernzielen, die in der Praxis zu bearbeiten sind, vorgibt. Ich habe während den ersten eineinhalb Jahren meiner Ausbildung in einem Durchgangszentrum gearbeitet, also im Bereich der Soziokulturellen Arbeit. Nun betreue ich Asylsuchende, die in den Gemeinden leben und individuell untergebracht sind (IU-Bereich): Hier geht es um die Soziale Arbeit in Form von Einzelfallhilfe.

N.M.: Ich studiere in der Variante Vollzeit. Deshalb hatte ich im ersten Jahr vier Tage pro Woche Schule. Da ich schon vorher bei der ORS arbeitete, konnte ich eine 20 Prozent-Stelle in der Betreuung behalten. Nach dem abgeschlossenen Basisstudium begann im Januar 2013 das Hauptstudium, welches zwei Praktikumsblöcke von insgesamt 1500 Leistungsstunden beinhaltet. Diese muss man in zwei Blöcke von je 600 bis 900 Leistungsstunden aufteilen. Meinen ersten Block à 900 Stunden mache ich zurzeit in der Betreuung in der Notunterkunft (NUK) Embrach 2 und im Durchgangszentrum (DZ) Bauma. Den zweiten Teil werde ich in einem Arbeitsfeld machen, welches sich vom jetzigen unterscheidet. Mein Arbeitspensum beträgt in diesem Praktikum 80 Prozent. Daneben habe ich an einem Tag Schule und besuche drei dreitägige Blockseminare.

 

Warum hast du dich in dem vielfältigen Gebiet der Sozialen Arbeit gerade für den Asylbereich entschieden?

A.H. Ich habe mich für den Asylbereich entschieden, weil mir die Stelle als Betreuerin im Durchgangszentrum sehr viel Freude bereitet hat. Die Arbeit in einem interkulturellen Umfeld mit Menschen aus verschiedensten Ländern finde ich eine grosse Bereicherung.

N.M.: Einer der Gründe war, dass ich schon vor Ausbildungsbeginn im Asylbereich arbeitete. Ich habe aber auch festgestellt, dass in der sehr breiten Ausbildung der Sozialen Arbeit der Asylbereich leider fast keinen Stellenwert hat. Dies finde ich etwas schade. Wir haben es nämlich gerade in diesem Bereich mit Menschen zu tun, die durch ihren Aufenthaltsstatus in besonderer Weise verletzlich sind. Ich finde es sehr interessant, die theoretischen Überlegungen des Studiums in die Praxis im Asylbereich einfliessen zu lassen.

 

Wo arbeitest du gerade bei der ORS?

A.H.: Ich arbeite seit bald einem Jahr in der Sozialberatung und betreue hier im Auftrag von drei Gemeinden Asylsuchende und Flüchtlinge. Da die Flüchtlinge und vorläufig aufgenommenen Personen nach den Richtlinien der öffentlichen Sozialhilfe unterstützt werden, konnte ich hier vor allem viel in Bezug auf Einzelfallhilfe, öffentliche Sozialhilfe und Sozialversicherungen dazu lernen.

N.M.: Ich arbeite zurzeit in einem 60 Prozent-Pensum in der Notunterkunft Embrach (ZH) und zu 20 Prozent im Durchgangszentrum Bauma (ZH).

 

Hast du bereits in anderen Zentren und Bereichen bei der ORS gearbeitet?

A.H.: Ja, vorher arbeitete ich eineinhalb Jahre lang im Durchgangszentrum Kollbrunn. Im Oktober 2013 geht meine Praxisausbildung bei der ORS zu Ende. Bis dahin bietet mir die ORS die Möglichkeit, einen dritten Bereich kennenzulernen, das Zentrum für Ausbildung und Beschäftigung, das die ORS im Auftrag des Kantons Solothurn führt.

N.M.: Ich durfte bereits in anderen Notunterkünften Erfahrungen sammeln.

 

Welcher Bereich hat dir bis jetzt am besten gefallen?

A.H.: Grundsätzlich finde ich es spannend, dass es möglich ist, in verschiedenen Bereichen des Asylwesens einen Einblick zu erhalten. Bei der ORS als Praxisorganisation ist das sehr gut möglich, da sie verschiedene Mandate auf verschiedenen Ebenen (Bund, Kanton, Gemeinde) hat. Besonders gut gefallen hat mir der soziokulturelle Bereich im Durchgangszentrum. Dort war ich unter anderem für das Animations- und Beschäftigungsprogramm für Frauen und Kinder zuständig, was mir viel Freude bereitete. In der Sozialberatung auf Gemeindeebene gefällt mir, dass ich die gesetzlichen Grundlagen der öffentlichen Sozialhilfe sehr gut kennen gelernt habe und vom Gelernten in der Schule einen direkten Praxistransfer herstellen kann.

N.M.: Mir gefällt die Arbeit im Durchgangszentrum und in der Notunterkunft sehr. Die Unterschiede sind auch nicht allzu gross.

 

Was gefällt dir am Studium?

A.H.: Ich finde die Inhalte des Studiums sehr spannend. Ich mag zudem den Ausgleich zwischen Praxis und Theorie.

N.M.: Das Studium beschäftigt sich mit dem gesamten Spektrum der sozialen Arbeit. Das gefällt mir sehr gut. Im Studium wird grosser Wert auf eine wissenschaftliche Arbeitsweise gelegt. Das sagt mir sehr zu. Ich hab‘ im Sozialbereich auch die Erfahrung gemacht, dass Handeln zu sehr aus dem Bauch heraus und wenig überlegt und begründet geschieht.

 

Und was gefällt dir am Studium nicht so?

A.H.: Manchmal empfinde ich es als sehr anstrengende Zeit. Man hat einerseits viel Verantwortung bei der Arbeit, muss aber auch noch an den Lernzielen arbeiten und für Prüfungen lernen. Meistens gibt es zweimal pro Jahr, jeweils gegen Semesterende, eine sehr stressige Zeit.

N.M.: Nichts.

 

Was sollte die ORS bei ihren Ausbildungsplätzen optimieren?

A.H.: Ich finde, dass die ORS eine sehr gute Praxisorganisation für Studierende ist. Für mich ist die Ausbildungszeit schön und lehrreich. Aus meiner Sicht als Studierende sollten folgende Punkte unbedingt beibehalten werden: Erstens schätze ich die Möglichkeit sehr, Einblicke in verschiedene Bereiche bei der Arbeit mit Asylsuchenden zu erhalten. Zudem legt die ORS Wert darauf, dass bei Problemen jeweils individuell für den Studierenden nach Lösungen gesucht wird, das finde ich sehr gut. Auch sehr bereichernd finde ich, dass man als Studierende einerseits eine Ansprechperson am jeweiligen Arbeitsort und zusätzlich noch einen Praxisausbildner hat, der während des Arbeitsalltags nicht direkt mit dir zusammen arbeitet. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, zwei Feedbacks zu erhalten und verschiedene Perspektiven miteinzubeziehen, was meines Erachtens auch die Bewertung einer Qualifikation objektiver abbildet. Was ich aber auch sehr toll finde, ist die Intervision, die wir mit den Studierenden und dem Praxisausbildner regelmässig durchführen. Schliesslich möchte ich auch noch erwähnen, dass ich eine sehr kompetente und engagierte Praxisausbildnerin habe.

N.M.: Nichts. Die Ausbildungsplätze sind bereits optimal.

 

Wie weit liegt die Theorie des Studiums mit der Praxis im Alltag auseinander?

A.H.: Ich konnte im Studium viel Wissen erlernen, dass ich auch in der Praxis anwenden konnte. Vieles ist natürlich auch sehr theoretisch, aber aus meiner Sicht dennoch sehr wichtig. Die theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Konzepten der Migration hilft mir als Asylbetreuerin nicht direkt in der Praxis, dennoch trägt dieses Hintergrundwissen dazu bei, Situationen zu verstehen und in einen Gesamtkontext zu stellen.

N.M.: Theorie und Praxis sind gut miteinander verknüpft. Natürlich hat man in der Praxis in gewissen Situationen schlichtweg nicht die Zeit, lange theoretisch darüber nachzugrübeln, welche Schritte zu befolgen wären. Umso wichtiger ist es, dass man sich vorher oder nachher theoretisch mit gewissen Situationen auseinandersetzt.

 



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