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Keine mangelhafte Betreuung im Asylzentrum Tschorren

18. Dezember 2012

In ihrer Ausgabe vom 2. Dezember 2012 erhob die Sonntagszeitung schwere Vorwürfe gegen die ORS.

Zwei Monate nach Schliessung der Bundesasylunterkunft Tschorren bemängelte die Zeitung Betreuung und Unterbringung der Asylsuchenden. Die Überprüfung der hauptsächlich von einer ehemaligen ORS-Mitarbeiterin vorgebrachten Vorwürfe ergab: Die erhobenen Anschuldigungen sind haltlos. Belegschaft, Behörden und Anwohner widersprechen den Anschuldigungen gänzlich. Die gute Arbeit des Betreuungsteams der ORS wurde zu Unrecht in Misskredit gezogen.

Die Vorwürfe, die gegen die Bundesunterkunft Tschorren erhoben wurden, beziehen sich auf deren Betriebszeit bis Ende September 2012. Die Asylunterkunft Tschorren wurde nach vertraglich vereinbartem Betrieb von sechs Monaten und wie mit dem Bundesamt für Migration (BFM) vereinbart geschlossen.

Zur Kritik am Betrieb in Tschorren

Vorwürfe, Anschuldigungen oder konkrete Angaben zu möglichen Mängeln im Betreuungsangebot werden durch die ORS stets rasch überprüft. Die von der Sonntagszeitung transportierten Anschuldigungen wurden jedoch auf dem Tschorren nie geäussert. Zwei Monate nach der Schliessung des Zentrums liess sich eine ehemalige Mitarbeiterin damit in der Presse zitieren. Diese Vorwürfe formulierte die ehemalige Mitarbeiterin weder gegenüber der Zentrumsleitung noch gegenüber Dritten, als sie während rund sechs Wochen im Frühling auf dem Tschorren arbeitete.

Anschuldigungen halten Überprüfung nicht stand

Im Fall der Bundesunterkunft Tschorren überprüfte die ORS die Vorwürfe im Detail. Sie liess die Anschuldigungen von sämtlichen ihrer im Tschorren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beurteilen und kommentieren. Im Weiteren konfrontierte die ORS sämtliche wichtigen Vertreterinnen und Vertreter der lokalen und politischen Behörden, Anwohner, Vertreter der Kirche, das medizinische Personal sowie die Verantwortlichen des Restaurants, welches die Verpflegung für die Asylsuchenden im Tschorren zubereitete und lieferte.

Kritik an der Zentrumsleitung

Der Zentrumsleiter der in der Zwischenzeit geschlossenen Bundesunterkunft Tschorren ist ein überaus engagierter, sehr besonnener und im Umgang mit allen sehr respektvoll agierender Mensch. Die Asylunterkunft Tschorren wurde regelmässig vom BFM und von verschiedenen externen Personen und Organisationen besucht.
Die Sonntagszeitung kritisierte konkret, es habe an vegetarischem Essen, an passender Verpflegung für die Kinder und zweckmässiger Bekleidung sowie medizinischer Versorgung gemangelt.

Die zwei grundlegenden Erkenntnisse der Überprüfung

  1.  Keine der befragten Personen bestätigte diese Vorwürfe.
  2.  Mit dem BFM vereinbarte Aufgaben und Weisungen (e. g. Asylverfahren) wurden in der Bundesunterkunft Tschorren gemäss unserer Überprüfung und Auffassung konsequent umgesetzt.

Ergebnisse im Einzelnen

Adäquate Ernährung und Verpflegung: Die Verpflegung wurde mit grosser Rücksichtnahme auf die Wünsche der Asylsuchenden zusammengestellt. Die Betreuerinnen und Betreuer legten grossen Wert darauf, dass sie die bevorzugten Gerichte oder Vorlieben der Asylsuchenden erkannten und auch berücksichtigten. Dies beinhaltete die Art der Zubereitung, die Anpassung der Mengen oder die Lieferung in einzelnen Komponenten (Reis, Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Fisch, Salat etc.) oder als Gesamtgericht.

Auch im Bereich der Verpflegung zeigt sich die hohe Motivation der Betreuung, den Bedürfnissen der Asylsuchenden gerecht zu werden. Vegetarische Gerichte wurden ab dem dritten Tag nach Öffnung der Asylunterkunft angeboten
Alle Asylsuchenden wurden mit Zwischenmahlzeiten versorgt, besonders bei Kindern wurde darauf geachtet. Es gab neben Milch, Früchten und Joghurt auf individuellen Wunsch zusätzliche Verpflegung.

Dazu folgende weiteren Informationen:

  • Essen darf gemäss Richtlinie des BFM nicht in die Unterkunft gebracht werden.
  • Als Regel gilt bei den Mahlzeiten: Ein grosszügiger Teller pro Person; Nachschlag auf Verlangen.
  • Vegetarische Varianten wurden auf Anfrage von Nordafrikanern umfassend angeboten (dies obwohl grundsätzlich vegetarisches Essen nur in medizinisch begründeten Fällen angeboten werden muss).
  • Die Menüpläne waren/sind stets ausgewogen, es gab/gibt genug Gemüse.
  • Nebst Kartoffeln sind/waren zusätzlich immer Spaghetti/Gulaschsuppe vorhanden.
  • Süsses: wenig, ausser Äpfel. Das BFM sieht dies nicht vor. Kinder bekamen zwischendurch Süsses (kleine Joghurts, Corn Flakes, Bananen).
  • Zu Beginn gab es keine Kinder in der Unterkunft, da dies zunächst vom BFM nicht vorgesehen war.

Kein «Chaos in der Hausapotheke»: Die Abgabe von Medikamenten wurde protokolliert. Bestelllisten von Medikamenten liegen dem BFM vor. Es gibt keine Hinweise auf fehlerhaften Umgang mit Medikamenten aus der Hausapotheke. Der Bestand in der Hausapotheke entsprach über weite Teile demjenigen eines Privathaushalts.

Die medizinische Versorgung wurde in den Gesprächen sowohl mit Externen als auch mit Betreuerinnen und Betreuern der ORS übereinstimmend als gut bis sehr gut taxiert, insbesondere auch vom Hausarzt und vom Apotheker. Niemand wurde mit Klagen bezüglich der medizinischen Versorgung konfrontiert. In der Hausapotheke waren keinerlei gefährliche Medikamente vorhanden. Rezeptpflichtige Medikamente wurden gesondert aufbewahrt.
Gemäss Hausarzt wurden in den wenigen Monaten fast 100 Konsultationen vereinbart und durchgeführt. Im Verlauf der Gespräche tauchte kein Fall auf, bei dem festgestellt wurde, dass eine ärztliche oder zahnärztliche Behandlung unnötig hinausgezögert bzw. einem Asylsuchenden vorenthalten wurde.

Genügend passende Kleider vorhanden: Die ORS verfügt in den Empfangs- und Verfahrenszentren (EVZ) über grosse Mengen von Kleidern für jeglichen Bedarf und beider Geschlechter. Auch Unterwäsche ist dabei. Die Asylsuchenden (Frauen, Männer und Kinder), die in der Asylunterkunft Tschorren lebten, wurden vor ihrem Transfer aus dem EVZ Vallorbe alle mit Kleidung versorgt. Zusätzliche Frauenkleider wurden gleich nach Ankunft der ersten Frauen beschafft. Es waren vor Ort bereits genügend Kleider und Schuhe im Kleiderraum vorhanden. Asylsuchende hatten Zugang und konnten ihren Bedarf decken.

Entscheide im Asylverfahren: Auf Anfrage des BFM übernahmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ORS die Aufgabe, Asylentscheide auszuhändigen, welche durch die Post zugestellt wurden. Während des Betriebs der Asylunterkunft Tschorren gab es hierzu keine Beanstandungen – auch nicht, was die Rekursfrist betrifft, welche jeweils erst nach Erhalt des Entscheides zu laufen beginnt.

Auf einem Aushang war für die Asylsuchenden ersichtlich, dass für sie persönliche Post zum Abholen bereit lag. Asylsuchende, die die Post nicht abholten, wurden gleichentags innerhalb der Asylunterkunft gesucht. Asylentscheide wurden den Asylsuchenden ausgehändigt, anschliessend unterschrieben diese die offizielle Empfangsbescheinigung. Diese wurde dann an den Absender gefaxt und zusätzlich per Post zurückgeschickt. Dieser Ablauf wurde in allen Fällen einwandfrei abgewickelt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ORS unterstützten die Asylsuchenden, die ihren Asylentscheid erhielten, die wichtigsten Fakten wie Entscheid, Grund und Rekursfrist (5 Tage ab Empfangsbestätigung durch den Asylsuchenden) zu verstehen. Ebenso wurde ihnen eine Adressliste von Rechtsberatungsberatungsstellen abgegeben und erklärt. Alle Adressen waren zusätzlich an einem Anschlagbrett gut sichtbar ausgehängt. Für jede Fahrt zu einer Rechtsberatungsstelle standen Billette für die Benützung des öffentlichen Verkehrs zur Verfügung.

Ausgewogene Betreuung und vielfältige Beschäftigung: Nicht alle Asylsuchenden wollten Reinigungsarbeiten oder ähnliche Aufgaben verrichten. Für Betreuungsteams stellt dies eine grosse Herausforderung dar: Einerseits müssen die Aufgaben gerecht verteilt werden und andererseits müssen sie ihrer Pflicht nachkommen, eine saubere und korrekt geführte Unterkunft zu leiten. Alle externen Personen betonen den respektvollen Umgang des Betreuungsteams Tschorren mit den Asylsuchenden. Es gibt keine Anzeichen, dass Personen oder Ethnien bevorzugt behandelt worden sind.

  • Hausarbeiten: In der Asylunterkunft Tschorren bestanden vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten. Alle Asylsuchenden wurden vom ersten Tag an in die tägliche Arbeit im Haus einbezogen (Haushalt führen, Verpflegungsausgabe etc.). Auch Spiel- und Sportgeräte (div. Bälle, Tischfussball, Tischtennis, Kraftgeräte, DVD, Brettspiele, Federball, Musik hören etc.) standen zur Verfügung.
  • Beschäftigungsprogramme: Schon nach wenigen Wochen wurde in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hasliberg ein Beschäftigungsprogramm etabliert. Täglich konnten 10 – 12 Asylsuchende verschiedene Arbeiten in der Gemeinde erledigen. Beispiel: Die lokalen Bauern bekamen von den Asylsuchenden grosse Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen des strengen Winters 2011/12. Daneben gab es Deutschunterricht, Sport und weitere Freizeitmöglichkeiten.


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